„Das Landei“ – Rezension

Robert lebt seit 16 Jahren in der Stadt. Geboren wurde er in einem kleinen Dorf mitten im Nirgendwo. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist er inzwischen erfolgreich, hat eine eigene Werbeagentur und ist von schönen Frauen umringt. Doch als ihn Mariella, seine Freundin, diesmal endgültig verlässt, bricht für ihn eine Welt zusammen. Er beginnt, an sich und seinen Zielen zu zweifeln. Und so geht Robert weiter saufend trinkend und rauchend durch die Welt, versinkt in Selbstmitleid und knüpft erste Kontakte mit der alten Heimat.
Irgendwann trifft er Gabi wieder, die Tochter seines alten Mathelehrers und verliebt sich sofort unsterblich in sie. Doch nach ein paar Wochen lässt er sie wieder fallen um sich selbst erneut zu verleugnen und wieder in Selbstmitleid zu verfallen. Und zu saufen und zu rauchen. …

Als ich den Titel und das Cover sah, erwartete ich einen witzigen Roman, rund um Heimatgefühle, Frauen, Männer und Beziehungen. Ich war gespannt, denn ich lese ja nun bekanntlich gern Frauenromane. Doch die sind immer gleich: Frau verliebt sich in Mann, dann passiert irgendwas und sie trennen sich wieder, kommen aber doch wieder zusammen. Viel Witz, Herz und Charme aus der Männerperspektive – das hatte ich erwartet. Doch es kam ganz anders.

Selten ist mir eine Inhaltsangabe so schwer gefallen, wie diesmal. Eigentlich hätte man alles in einem Satz zusammenfassen können: Robert flüchtete als Jugendlicher in die große Stadt, wurde erfolgreich, hat nun Selbstzweifel, Sucht den Sinn in seinem Leben und sieht ihn in einer Frau aus der Heimat. Meiner Meinung nach reicht das ganze Thema bestenfalls für eine nette Kurzgeschichte oder einen Roman, der nur etwa halb so viele Seiten hat wie das Landei jetzt. Er wirkt künstlich in die Länge gezogen und die immer wieder eingestreuten, teils philosophischen, teils einfach blödsinnigen Bemerkungen machen es nicht wirklich besser.

Die Schreib. bzw. Erzählweise ist recht anstrengend. So wechseln sich ein paar seichte Sätze (manchmal auch Absätze) mit komplizierten, verschachtelten und philosophischen Sätzen, die man 3x lesen muss, um sie zu verstehen. In etwa der Hälfte des Buches versinkt Robert in Selbstmitleid und Selbstzweifeln. Am Anfang war es vielleicht noch ganz nett, wenn auch ein bisschen langatmig. Spätestens ab Gabi wurde es aber irgendwie unglaubwürdig. Gut, man kann sich sicher innerhalb einer Nacht unsterblich verlieben. Doch nach 4 Wochen – weil sein bester Freund dazwischenhaut – zu sagen, dass sie ja doch die falsche ist und alles was war zu vergessen? Gut, man kann sich selbst verleugnen. Doch zu einer Trennung gehören immer noch zwei und Gabi akzeptiert es problemlos. Obwohl sie ihn liebt. Sie kämpft nicht, sie fragt nicht einmal nach. Sie geht einfach.
Dann der Urlaub – Robert landet in einer Kommune, irgendwo im Süden. Nach – wie sollte es auch anders sein – reichlich Zigaretten, Alkohol und Gras kommt er völlig befreit wieder nach Hause, meditiert, trinkt Tee und ist auch sonst völlig verwandelt. Bis er zurück zu seiner Familie muss und wieder säuft wie ein Loch.
Vielleicht merkt man es schon – in einem Großteil des Buches dreht es sich um Alkohol und Zigaretten. Die beiden Dinge scheinen das einzig stabile zu sein, dass sich durch Roberts Leben zieht.

Insgesamt ist das Buch langatmig. Beim Lesen habe ich mich immer wieder ertappt zu schauen, wie viele Seiten ich noch vor mir habe. Immer wieder war ich kurz davor, das Buch einfach abzubrechen. Wirklich verpasst hätte ich wohl nichts. Es ist vorhersehbar und teilweise einfach nur plump geschrieben. Witzige Stellen konnte ich nicht viele finden.

Wobei ich nicht zu ungerecht sein will. Wenn man sich auf das Buch einlassen will und das Buch mag, kann man sich sicher einen kleinen Funken Wahrheit herausziehen. Wie lebt man, wenn man die eigene Heimat verleugnet? Kann man sie überhaupt verleugnen?
Ich selbst komme eigentlich aus einem ganz anderen Teil von Deutschland, bin damals auch weg und konnte mich überhaupt nicht in dem Buch wiederfinden …

Ich habe keine sehr großen Ansprüche an ein Buch. Allerdings merke ich, dass mir ein Buch gefallen hat, wenn ich des ausgelesen habe und es glücklich schließe. Hier war ich einfach nur froh, dass es endlich vorbei war.

1/5 Sternen

3 Kommentare

  1. Mariella

    Ich habe das Buch auch gelesen und fand es ganz schrecklich. Es war langweilig und nachher so völlig abstrus dass ich nach der Hälfte abgebrochen habe.

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  2. Inka

    ja, schon lustig, wie geschmäcker verschieden sein können.

    habe viele gelesen, denen es einfach nicht gefallen hat.

    ich fands gar nicht SO schlecht.. ^^ bin eigentlich mehr der typ für lustige bücher (kinsella, hauptmann..) aber durchaus mal ne interessante abwechslung :)

    Liebe Grüße, Inka

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    1. Sandra (Beitrag Autor)

      Ich mag auch eher lustige Bücher, lese aber auch mal alles andere – so lange es gut ist. An dem Buch war mir aber irgendwie alles zu viel. Aber wirklich gut, dass Geschmäcker verschieden sind. Wäre ja sonst auch langweilig ;)

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