Das Kühlschrank-Drama

Es ist noch gar nicht so lange her, da sah ich bei Facebook ein Video zum Thema Gerechtigkeit bei Kindern: Ein Junge und ein Mädchen sitzen am Tisch und bekommen beide Cornflakes in ihre Schüsseln. Beide meckern, dass der andere ja jeweils mehr hätte, bis die Mutter die Nase voll hat und immer abwechselnd jedem ein Stück in seine Schüssel zählt. Und auch wenn die Mutter bis (ich glaube) ungefähr 300 zählen musste – es war gerecht! Als sie zum Mittagessen ruft, setzen sich die Kinder an den Tisch und wollen sich Spaghetti nehmen, doch die Mutter hält sie zurück und beginnt, ihnen jede Nudel einzeln auf den Teller zu zählen. Es sollte ja schließlich keiner zu viel oder zu wenig bekommen!
Ich habe ziemlich gelacht (meine Kinder weniger) und diese Idee ganz fest in meinem Hirn verankert. Inzwischen habe ich es meinen Jungs auch schon ein paar Mal angedroht, als sie mal wieder meckerten, dass der jeweils andere mehr hätte. Denn genau das tun sie im Moment gefühlte 543 Mal pro Tag. Jammern, dass der andere viel mehr hätte als sie selbst. Motzen, dass wir uns mehr um den jeweils anderen Bruder kümmern würden. Das wir das Buch des anderen bevorzugen würden und NIE ihres auswählen würden. IMMER versteht sich.
Es ist echt mega-anstrengend, auch wenn es natürlich zur Entwicklung dazugehört und ja irgendwie auch total schön ist, dass sie sich Gedanken machen. Auch wenn sie sich selbst dabei trotzdem immer noch gern das Meiste gönnen. ;)

Und nein – natürlich bevorzugen wir keinen der beiden!

Vor ein paar Tagen gipfelte das Ganze in einem riesigen Drama, als der Große nämlich ein Bild einer Deutschlandkatze mit nach Hause brachte und ich sie an den Kühlschrank pinnte, damit sie neben den anderen Kunstwerken, Einladungen und Terminzetteln hängen könnte. Ich weiß, Geschmäcker sind verschieden, aber ich finde sie großartig und lustig. Der Kleine dagegen beschwerte sich natürlich promt, wie hässlich er sie finden würde und ging nahtlos dazu über sich zu beschweren, dass zu wenige seiner Bilder am Kühlschrank hängen würden. In diesem Fall hatte er sogar mal Recht – aber auch nur, weil ich erst am Vortag ausgemistet und fast alle Kunstwerke in die Mappen der Kinder verfrachtet hatte.

Deutschlandkatze

Ideen von Kindern sind manchmal doch die besten …

Natürlich sprachen wir darüber, wie die Jungs es denn gern hätten, damit es gerecht ist. Ich möchte mich nicht auf maximal 2 oder 3 Bilder pro Kind festlegen müssen, nur weil es da eine Absprache gibt. Zumal manche Sachen halt nur wenige, manche viele Magnete zum Halten brauchen. Ein großartiger Lösungsansatz kam dabei eher unbewusst vom Kleinen, denn er beanspruchte direkt bestimmte Kühlschrankmagnete, die er besonders toll findet, für sich. Wir spannen die Idee ein wenig weiter und beschlossen, dass tatsächlich jedes Kind eigene Magnete bekommt. Zwar nicht unsere, schließlich brauchen wir ja auch welche, sondern eigene. Ganz individuelle und persönliche. Anfertigen lassen werde ich sie sehr wahrscheinlich bei Camaloon, einem eigentlich spanischen Unternehmen mit deutschem Onlineshop, das mir eine Freundin aus Barcelona vor einiger Zeit empfahl. Dort gibt es diese biegsamen, aber auch starre Magnete in verschiedenen Formen. Das beste aber ist, dass man neben der riesigen Künstergalerie auch eigene Designs verwenden kann. Jeder der beiden darf sich also aussuchen, ob er sein Foto oder aber lieber etwas ganz anderen auf den Magneten haben möchte. Vielleicht ja auch ein eigenes Kunstwerk? Es gibt sogar einen Nachtleucht-Effekt, den man für wenig Geld dazukaufen kann. Genial!

Die einzige Grundbedingung wird, dass jedes Kind eine eigene Grundfarbe bekommt, damit es eine klare Unterscheidungsmöglichkeit gibt. Oder ich bastle ihre Anfangsbuchstaben hinein. Ansonsten haben sie völlig freie Hand und wir hoffentlich bald wieder etwas mehr Ruhe. Sobald nämlich die 25 Magnete pro Kind aufgebraucht sind, gibt es entweder keine weiteren Bilder mehr am Kühlschrank oder es müssen andere abgenommen werden, damit wieder Magnete frei werden. Die eigenen, versteht sich!

Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, ob das wirklich klappen wird. Ich hoffe ja schon, immerhin wird es ein Weg in die richtige Richtung sein. Das nächste Problem könnte dann nur noch die Größe des Kühlschranks sein. ;)

Sind eure Kinder auch so gerechtigkeitsliebend? Und wie regelt ihr das mit den Bildern am Kühlschrank?

15 Kommentare

  1. Claudia

    Sehr spannende Geschichte und ziemlich anstrengend. Warum haben die beiden denn so einen Konkurrenzkampf miteinander? So kommt es zumindest rüber oder ist es eher ein Aufmerksamkeitsding? Naja auf jeden Fall finde ich die Idee von dem kleinen auch sehr spannend und sehr fair. :) Manchmal haben die kleinen echt tolle Ideen.

    Liebe Grüße Claudia

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    1. Sandra (Beitrag Autor)

      Der Kleine hatte die Idee der verschiedenen Magnete ganz sicher so nicht geplant. Ihm ging es nur drum, die besten und schönsten Magnete für sich zu bekommen :D Aber immerhin ist was Gutes draus geworden. ;)

      Der Konkurrenzkampf ist in dem Alter leider völlig normal, gleichzeitig kämpfen sie dann 5 Minuten später auch wieder darum, dass der andere genau das gleiche wie er selbst bekommt….

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  2. Karolin

    Lustige Idee der Mutter, alles einzeln abzuzählen – das war sicher eine Lektion für die Kleinen, da sie davon ja nicht so begeistert waren! Bei Euren Kindern hast du eine tolle Lösung gefunden, damit sich beide gerecht behandelt fühlen und auch kein Streit um die Designs der Magenete entstehen kann – Daumen hoch!

    Lieben Gruß! Karolin

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    1. Sandra (Beitrag Autor)

      Ich fand die Idee auch sehr cool :D Von der Machart her halte ich es allerdings eher für so einen Krams, der in „Knallerfrauen“ oder diesen komischen Comedyshows läuft. Sah auf jeden Fall nicht nach seriöser Berichterstattung aus. Aber so lange es funktioniert, ist das ja egal ;)

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      1. Karolin

        Da gebe ich dir Recht – müsste man mal auch selbst ausprobieren und sehen, ob es wirklich funktioniert :-D

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  3. Elisabeth

    Super Paradebeispiel, wie man es machen kann!
    Leider entsteht bei Geschwistern bzw kleinen Kindern unnötig schnell ein Konkurrenzkampf untereinander.
    Aus dieser Geschichte kann man wunderbar was lernen, vielen Dank!

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    1. Sandra (Beitrag Autor)

      Ein Stück weit gehört das Konkurrenzdenken ja auch zur Entwicklung dazu.

      Ehrlicherweise muss ich auch erwähnen, dass die Jungs an guten Tagen auch ganz penibel alles teilen. Der Große bekam heute erst einen dicken Heulanfall, als der Kleine ihm von Oma kein Geldstück aus der Spardose mitbrachte (10 cent). Das macht er immer wieder für den Kleinen und konnte gar nicht verstehen, dass der Kleine das nicht für ihn tat ;)

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  4. Jan Hartmann

    Schöner Beitrag, wir haben zwar nur einen Sohn, der jetzt fast 3 Jahre alt ist, aber gerade in der Kinderkrippe entstehen da auch schon mal ähnliche Konflikte. Schöner Lösungsansatz, wie man es machen kann. Danke und beste Grüße.

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  5. Christian

    Hallo liebe Sandra,

    wirklich ein schöner Beitrag, den du veröffentlicht hast.

    Wir haben einen 4 Jahre alten Sohn und eine 5 Jahre alte Tochter die sich ab und zu unter einander auch bisschen in der Wolle haben.

    Deine Lösung werde ich mir mal zu Herzen nehmen und umsetzen. Mal sehen wie sie reagieren :)

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  6. Chriss

    Ich finde deinen Artikel spitze.
    Meine Freundin und ich planen aktuell ein Kind und sind wahrscheinlich ein bisschen übermotiviert, später auch alles richtig zu machen.
    Meiner Meinung nach gibt es zwar nicht „die perfekte“ Erziehungsmethode, aber es ist sicherlich empfehlenswert, sich verschiedene Meinungen anzuhören!

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  7. Angelika

    Hahaha Ohh man ist schon ganz verrückt alles zu zählen. Aber Gerechtigkeit ist gerechtigkeit! Super Beitrag

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  8. Vanessa

    Das kommt mir auf jeden fall bekannt vor :D
    Bei unseren machen wir es ein wenig anders. Da unser Kühlschrank nicht der größte ist, passen leider nicht so viele Bilder an die Tür. Jedes Kind hat die Möglichkeit 2 neue im Monat an den Kühlschrank zu packen. Voraussetzung ist aber, dass 2 alte Bilder wieder weg müssen. Ich denke dadurch lernen die Kleinen schon früh, wie es ist sich entscheiden zu müssen.

    VG Vanessa

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    1. Sandra (Beitrag Autor)

      Die Idee finde ich auch super! Klingt zwar am Anfang etwas hart, wenn Kind sich entscheiden muss, aber ich weiß auch von meinen Jungs, dass sie bei manchen Sachen erstaunlich zugänglich und entscheidungsfreudig sind. Mein Großer kommt auch manchmal an und sagt zu Bildern ,dass er die jetzt plötzlich doch nicht mehr mag.

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  9. Jana

    Ohjeminee :) Das stelle ich mir auch anstrengend vor… Bestimmt ist es oft so das man denkt „mei, war ich gerecht!“, sich selbst schon auf die Schulter klopfend, und dann doch wieder was nicht recht war… Vielleicht nur eine Phase. Mein Bruder und ich haben uns allerdings erst „gemocht“ als wir nicht mehr unter einem Dach gelebt haben ;))
    Ganz liebe Grüße

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    1. Sandra (Beitrag Autor)

      So lange wird das hier hoffentlich nicht dauern :D Grundsätzlich mögen sie sich ja. Meistens. ;)

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