Das ist mein Leben!

Es gibt so Dinge, die passieren zufällig und völlig unabhängig davon zu Zeiten, wo sie oft perfekt passen. So geschehen in den letzten paar Tagen, als ich das Buch „Der Hochzeitsreis“ las, in dem es um eine Familiengeschichte geht, die eng mit dem Reis verbunden ist, der damals zur Hochzeit gestreut wurde. In recht leisen Tönen vermittelt der Autor, dass Familie wichtig ist, auch wenn wir uns vielleicht nicht immer einig sind. Wer zwischen den Zeilen liest, kommt vielleicht auch drauf, dass man seine Kinder einfach machen lassen muss. Das sie ihre eigenen Erfahrungen machen müssen. Doch welche Eltern können das schon?

Lass mich machen!

Jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen – egal ob kleines Kind oder Erwachsener. Auch ich muss mich immer wieder ermahnen, den 4jährigen vor Dingen beschützen zu wollen, die er einfach selbst erleben muss. Das gilt natürlich nicht immer, aber bei einigen Dingen schon.
Meine Schwiegereltern sind allerdings nicht besser, denn sie achten auch heute noch auf den unverheirateten Bruder meines Mannes, als wäre er ein Kind. Ist er schon längst nicht mehr, aber so richtig verinnerlicht haben sie es noch nicht. Das geht los bei der Wohnung, wo sie ständig ihre Hilfe anbieten, saubermachen wollen oder sonstiges und zieht sich bis in sein Liebesleben. Gerade letzteres liegt wahrscheinlich an einem bestimmten Gen, dass alle Eltern haben – meine waren nämlich ganz genauso. Als ich noch zu Hause wohnte, fragten sie mich ständig und immer wieder, wann ich nicht endlich mal einen Freund hätte. In der Regel kam diese Frage wöchentlich. Hatte ich dann aber einen, versuchten sie immer wieder zu verhindern, dass wir uns sehen konnten und es gab immer wieder Streit. Warum verstand ich nie so richtig, schließlich wollten sie doch genau DAS!

Love maus

Bei meinem Schwager liegt die Sache ein bisschen anders. Als ältester Sohn wurden natürlich alle Hoffnungen in ihn gesteckt, das erste Enkelkind in die Familie zu bringen. Leider ging der Plan nicht wirklich auf, denn nach einer langen Beziehung trennte man sich. Kein Drama und heute eine völlig normale Sache. In der Generation unserer Eltern allerdings gilt man ab einem bestimmten Alter schon fast als nicht mehr vermittelbar – und genau so sehen sie auch ihren Sohn. Bekräftigt dadurch, dass er ihnen nicht alles erzählt, glauben sie natürlich, dass er einfach keine Frau mehr abbekommt. Wie auch, Frauen in dem Alter sind im Normalfall längst verheiratet oder leben wenn dann schon in Scheidung, haben Kinder oder ähnliches. Mir scheint es so ein bisschen, als habe er tatsächlich ein schlechtes Händchen, denn irgendwie zieht er immer genau die Frauen an, die schon in Trennung leben, nach ein paar Monaten mit Kind und Kegel aber doch wieder zu ihrem Mann zurück gehen. Inzwischen weiß ich, dass er die Online-Singlebörsen für sich entdeckt hat und da relativ aktiv ist. Warum auch nicht, sind sie doch eine gute Möglichkeit, um neue Leute in einer Stadt kennenzulernen, in der er relativ häufig ist. Glücklicherweise gibt es wohl auch eine ganze Menge älterer Singles in Dortmund, die nicht in Trennung oder Scheidung leben, es also wirklich realistische Chancen gibt. Nun muss er nur noch den endgültig großen Schritt wagen und umziehen. … Aber ich wollte auf etwas ganz anderes hinaus.

Nerv mich nicht!

Familie ist wichtig und doch vertreiben viele Eltern ihre Kinder mit ihrer Aufdringlichkeit. Meine Eltern zum Beispiel hätten es am liebsten gehabt, wenn ich in meiner Geburtsstadt geblieben wäre, einen netten und von ihnen ausgesuchten Mann geheiratet hätte und ins Haus nebenan gezogen wäre. Statt dessen ergriff ich lieber die Flucht, brachte mehr als 500km zwischen uns und meldete mich kaum noch. Erst mit Geburt der Enkelkinder wurde unser Verhältnis besser.
Auch Schwiegereltern fahren diese Schiene und merken überhaupt nicht, dass sie ihren Sohn damit komplett vertreiben. Welcher erwachsene Mann möchte schon von seinen Eltern regelmäßig kontrolliert werden? Wer möchte ständig einen Teller mit Essen vor der Tür finden, weil das ganz rein zufällig über war und man ja gleich nebenan wohnt?

Kinder brauchen Freiräume – die Großen natürlich mehr als die Kleinen. Es liegt in der Natur, dass wir uns für unsere Kinder verantwortlich fühlen, ihnen helfen und sie beschützen wollen. Das ist auch völlig in Ordnung, aber sie brauchen dabei Freiräume, um Dinge entdecken zu können. Woher sollen sie wissen, dass Pudding mit Ketchup verrührt nicht schmeckt, wenn wir ihnen verbieten, es zu probieren? Woher wissen sie, dass es weh tut hinzufallen, wenn wir sie nicht klettern lassen?
Lassen wir sie aber (in einem gewissen Rahmen) alles ausprobieren, kommen sie stolz zu uns zurück und berichten von ihren Erfolgen. Ganz von allein!

Eltern zu sein, bedeutet auch ein Stück weit loszulassen und Kinder ihre eigenen Wege gehen zu lassen. Sich nicht einzumischen, selbst wenn der Partner oder Freund des Kindes überhaupt nicht gefällt. Gelassen zu bleiben, selbst wenn das Kind einen völlig anderen Lebensstil als man selbst hat.

Ich für mich hoffe, dass ich diese Dinge später auch noch beherzigen werde und mich nicht (zu sehr) in das Leben der dann großen Kinder einmische. Die perfekten Negativ-Beispiele habe ich ja schon.

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