Clementoni Construction Challenge – viele Möglichkeiten für wenig Geld

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Als ich das erste Mal vom Construction Challenge Baukasten las, war ich sofort begeistert und dachte dabei an eine Mischung aus LEGO und fischertechnik. Manche Teile sehen denen von LEGO (Technic) extrem ähnlich, selbst die Konstruktionen sind es. Die Vielfalt der Modelle und auch der Sinn dahinter ist dagegen ganz klar fischertechnik. Das ganze Set kommt sogar mit einem Elektromotor und ist für Kinder ab 8 Jahren geeignet. Großartig! Noch großartiger, dass wir es sogar kostenfrei ausprobieren durften.
Bis hierhin ist eigentlich alles gut, doch dann fingen wir an auszupacken und zu bauen. Meine Meinung änderte sich dabei ziemlich schnell von super-positiv zu nicht wirklich empfehlenswert, allerdings hatte ich dabei noch nicht den Kaufpreis von (aktuell) nur rund 20-25€ im Kopf. Selbst die UVP von knapp 32€ halte ich im Vergleich zu anderen Sets noch extrem günstig, woraufhin ich meine Meinung bezogen auf den Preis ein wenig überdachte. Und so beginne ich heute diese Vorstellung mal mit einem Teil meines Fazits. Ich bin nämlich immer noch sehr zwiegespalten über das Set und um die folgenden Infos richtig zu verstehen, braucht ihr diese Begründung:

Auch wenn der Construction Challenge Baukausten extrem auf LEGO und fischertechnik getrimmt ist, so wäre ein Vergleich zwischen ihnen und diesem Baukasten hier wie ein Vergleich zwischen Äpfeln und Gurken. Es liegen Welten dazwischen – sei es in der Qualität, der Bauanleitung, den Hilfestellungen oder auch dem Preis. Denn auch den muss man, wie ich finde mit einrechnen. Ich habe hier noch den großartigen „Mechanic&Statik 2“ Baukasten von fischertechnik, der auch mit einem Motor daherkommt und trotz viel weniger Modelle immerhin 90€ kostet. Will man ein großes LEGO-Set mit Motor, muss man noch mal einiges mehr auf den Tisch legen, das macht das Set hier mit einem aktuellen Amazon-Preis von 24€ absolut zum Schnäppchen. Und bei einem geringen Preis muss man bekanntlich auch Abstriche machen.
Wer als Hersteller jedoch Bekanntes nachmacht, muss sich auch damit vergleichen lassen – finde ich zumindest. Und damit verliert der Galileo Baukasten ganz klar und ich empfehle ihn nur dann, wenn ihr etwas Umfangreiches möchtet und nur ganz wenig Geld dafür ausgeben wollt oder könnt. Andernfalls erspart euch bitte Ärger und Tränen und greift direkt zu fischertechnik oder einem günstigen 20€-Technic Set von LEGO.

Vergessen wir also kurzfristig LEGO und fischertechnik komplett und lassen uns nur auf den Construction Challenge Baukasten ein. Begleitet uns durch unsere ersten Stunden mit dem Baukasten und lest, was wir alles so erlebt haben. Für alle Eiligen gibt es dagegen ein kurzgefasstes Fazit am Ende des Postings.

Construction CHallenge - Auto

Construction Challenge – ein weiterer Galileo-Baukasten

Mit dem aktuellen Baukasten präsentiert der italienische Spielzeughersteller Clementoni ein weiteres Set zum Experimentieren für Kinder. Aufgrund des cooles Autos werden sich wahrscheinlich hauptsächlich Jungs dafür interessieren – meine beiden waren jedenfalls sofort ganz aus dem Häuschen.

Das Set kommt mit 50 verschiedenen Modellen und 250 Teilen daher. Dank dem enthaltenen Motor können sogar selbst fahrende Fahrzeuge gebaut werden, wobei die Modelle in den drei beiliegenden Heften jedes Mal etwas schwieriger werden. Es soll Kindern ab 8 Grundlagen der Mechanik und Technik vermitteln und sie zum Experimentieren und Selberbauen anregen. Diese Altersgrenze finde ich jedoch viel zu niedrig angesetzt, ich tendiere eher zu einer Empfehlung ab 10 Jahren.

Aufbau mit Hindernissen

Natürlich wollten meine Jungs sofort auspacken und so machten wir uns recht schnell ans Werk. Die erste Euphorie ebbte schon beim Öffnen der Packung ganz schnell ab, denn anstatt eines Kunststoffinletts für die spätere Aufbewahrung gibt es nichts außer diversen Tüten. Für eine passende Sortierung muss man zwingend selbst sorgen, denn nur lose in die Packung geschmissen, würden wohl schnell Teile verschwinden.
Bevor man wirklich bauen kann, muss man außerdem alle Kleinteile voneinander trennen. Diese wurden, wie manche es vielleicht noch von diversen Modellbausets von früher kennen, in einem Stück gegossen. Man muss sie abdrehen und dann alle Teile am besten noch mal mit einer (Nagel)Feile bearbeiten, denn die Bruchstellen sind in der Regel recht scharfkantig. Es sind eine ganze Menge Teile, wir haben zu zweit fast eine Stunde dafür gebraucht. Plant also ein wenig Zeit ein! Gerade wenn das Set aber unterm Baum liegt und Kind an Weihnachten schnell bauen und erste Erfolge sehen will, kann es schnell lange Gesichter geben.

COnstruction CHallenge - Einzelteile

Danach schnappten wir uns sofort die drei Hefte und suchten das Auto. War ja klar, dass das zuerst gebaut werden muss, oder?
Die Aufbauanleitung ist sehr gewöhnungsbedürftig, denn es gibt keine gesamte Übersicht aller Modelle, die man bauen kann. Statt dessen steht jeweils auf dem Deckblatt eine Auflistung aller entsprechenden Modelle dieses Heftes. Das ist ok, wenn  es um einen Roller geht, aber mein Großer konnte mit Begriffen wie „Kraftstation mit Butterfly“ oder auch „Dragster“ nicht wirklich viel anfangen. Hier heißt es dann nachblättern und im Heft nach der Modellnummer suchen, um Bilder zu kucken. Seitenzahlen gibt es zwar, jedoch werden die nicht für das Inhaltsverzeichnis genutzt. Auch gibt es komplette Bilder nur am Ende der jeweiligen Bauanleitung. Aber auch da gewöhnten wir uns dran.

Schon sehr bald zeigte sich ein weiterer Schwachpunkt das Sets, denn die weißen Lochstäbe mit ihren verschiedenen Positionen sind gerade für ein Kind gar nicht so einfach. Mein großer Sohn ist 7.5 Jahre alt, baut problemlos LEGO Technic und auch fehlerfrei allein nach Anleitung fischertechnik Advanced und Profi-Baukästen. Hiermit kam er anfangs überhaupt nicht klar. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass auch ich das Auto schon nach 5 min. am liebsten in die Ecke geschmissen hätte. Tat ich natürlich nicht, sondern übergab an den Mann, der dann mehr oder weniger leise motzend weiterbaute. Nicht über uns, sondern über die Anleitung, in der pro Schritt viel zu viele Teile verbaut werden und dessen Explosionsabbildungen nicht immer leicht zu lesen sind.

COnstruction CHallenge - Gangschaltung

Gangschaltung am Auto: die weiße Lochstange wird auf eine der beiden Verbinder gesteckt, um einen Gang einzulegen. Einen Leerlauf gibt es nicht.

Ein Auto mit Gängen und Getriebe, das aber nicht fährt

Was macht ein Kind, wenn es ein Auto vor sich sieht? Schieben natürlich – und genau das tat mein Großer auch, als das Auto rund eine Stunde später vom Mann fertig gebaut war. Doch zu unser aller Überraschung tat sich nichts. Gar nichts! Das Auto kann zwar mittels Motorkraft von 4 RR-Batterien fahren, lässt sich jedoch nicht schieben, hat also keinen Leerlauf. Und das, liebes Team von Clementoni, ist einfach doof. Total doof. Auch bei einem sehr günstigen Kaufpreis ist das ziemlich daneben und sorgte natürlich für sehr lange Gesichter. Schließlich will man ein Auto auch mal anschieben und sehen, wie weit es kommt. Oder einen Unfall bauen lassen. Und und und. …. Da konnte selbst die Gangschaltung nichts mehr dran retten, die zwar cool ist, wofür man das Auto allerdings zuvor immer ausschalten muss.
Auch sonst kann ich, auch wenn das Auto schon cool aussieht, nicht so wahnsinnig viel positives daran finden. Die Räder eiern, weil sich die kleinen grünen Dichtungsringe immer nach wenigen Runden von selbst lockern. Selbst das Batterien einlegen gestaltete sich schwierig, weil eins der vier Fächer schmaler ist und die Batterie kaum reinpasste. Für unsere Akkus drei verschiedener Hersteller passte es dagegen gar nicht.  Auch das Batteriefach erwies sich als störrisch, denn nach nur einem Mal zudrehen ließ es sich nicht mehr öffnen. Die Schraube drehte einfach durch und wir mussten mit etwas Gewalt nachhelfen.

COnstruction Challenge - Modell 2

Modell No. 1 – zwei verbundene Balken. Der obere wird dabei noch auf den unteren gesteckt.

Auf zum nächsten Modell?

Ich würde euch jetzt sehr gern über weitere Erfolgserlebnisse schreiben, jedoch war das Interesse des Großen schon beim nicht-schiebbaren Auto deutlich gesunken. Die Anleitungen mit den vielen Schritten in einem Bild schreckten ihn fast alle ab, so dass er nie wusste, wo er denn anfangen sollte und sich auch mit unserer Hilfe nicht wirklich zum Bauen motivieren ließ (obwohl er ständig mit LEGO oder ft baut!). Ist aber auch gar nicht so einfach, denn man sieht auch nie, was man denn zuerst zusammenbauen muss, um nachher nicht alles wieder abbauen zu müssen. Für die Harfe, die ihr hier auch als Bild seht, gibt es zum Beispiel gerade mal ein einziges Bild, das den Zusammenbau erklärt. Einzig die ganz kleinen „Modelle“ wie den Kreisel (Stange mit 3 Zahnrädern drauf) fand er super.

COnstruction Challenge - kaputtes TEilAlso bauten wir das Auto auseinander, was für uns schon einigermaßen schwer ging. Für einen 8jährigen fand ich das kräftetechnisch schon anspruchsvoll bis schwierig. Ein großes Problem sind hier die recht weichen Steckverbindungen, die zwar im ersten Moment stabil wirken, es aber beim Herausziehen nicht sind. So brach mir beim Herausziehen auch direkt einer der Verbinder ab.

Das Set ist zwar an sich gut gedacht, aber unserer Meinung nach schlecht ausgeführt. Auch wenn die Teile an sich stabil und wertig wirken, so sind es gerade die bunten Verbindungsstücke leider nicht. Auch die 50 Modelle sind Augenwischerei, denn die ersten 12 Modelle sind einfaches Zusammenbauen von ein, zwei oder drei Stäben, Zahnrädern oder ähnlichem. Damit lernt man zwar den Umgang mit dem Set und auch ein paar wenige Grundlagen, aber wirkliche „Spielmodelle“ sind es nicht. Die einzige Ausnahme bildet da noch der Kreisel aus ein paar gestapelten Zahnrädern, der hier wirklich oft genutzt wird.
Fairerweise muss ich aber sagen, dass schon ein paar coole Sachen dabei sind und die Macher in der Anleitung immer wieder dazu aufrufen, zu experimentieren. So soll man zum Beispiel schauen, welches ein ungünstiger Hebel ist oder mit der Waage spielen. Wären die diversen Kritikpunkte nicht, dann könnte man mit dem Set auf jeden Fall viel Spaß haben.

Construction Challenge - Harfe

eine keltische Harfe mit Gummibändern. Spielt nicht wirklich, macht aber Spaß!

Achtet mal auf die weißen Lochstangen im Harfen-Bild. Seht ihr, dass es zwei verschiedene Seiten gibt und die Löcher so immer versetzt sind? Genaues Schauen ist hier Pflicht!

Nachdem das jetzt aber ein doch recht langer Text war, bekommt ihr hier noch mal die gesammelten Infos:

Kurzgefasst zusammengefasst

+ Toller Grundgedanke, viel zum experimentieren
+ 50 baubare und sehr vielfältige Modelle
+ batteriebetriebener Motor mit Vorwärts- und Rückwärtsgang
+ gebautes Auto kann in 2 Gängen, also 2 verschiedenen Geschwindigkeiten fahren
+ grundsätzlich recht leicht zusammenzubauen (wenn man die Anleitung versteht)
+ bunte Farben der Verbindungs- und Dichtungsteile machen es beim Bauen leicht und optisch Spaß
+ Spielspaß mit den meisten Modellen
+ wer LEGO Technic kennt, kann recht schnell intuitiv damit losbauen

– 12 der 50 Modelle sind keine wirklichen „Spielmodelle“, sondern zeigen Verbindungen, die fest oder weniger fest sind und bilden Grundlagen
– Aufbauanleitungen extremst komprimiert, viele Modelle bestehen teils nur aus 1-2 Bildern und schrecken so eher ab. Fehlende angegebene Baureihenfolge erschwert Bauen und schafft Frust, weil man Gebautes wieder auseinandernehmen muss, um Teile einzufügen. Durch Explosionszeichnung teils schwer zu lesen – gerade für ein Kind.
– Keine Bilderübersicht in der Anleitung. Selbst die Seitenzahlen werden nicht genutzt, sondern man muss per Modellnummer suchen.
– grüne Dichtungsringe lösen sich teilweise bei Bewegung wieder ab, entsprechende Teile lockern sich.
– Batteriefach nicht sauber gearbeitet, ein Fach ist schmaler. Musste schon nach einem Mal verschließen mit Gewalt geöffnet werden, weil Schraube durchdrehte.
– Verbindungsteile weich, lassen sich beim Herausziehen stark zusammendrücken. Bei uns schon ein Teil zerbrochen.
– Stecker vom Akku zum Motor sehr wackelig. Ließ sich nur schräge einstecken und kaum wieder lösen. Wirkt nicht so, als würde er lange halten.
– Gebautes Auto lässt sich nicht schieben. Hat keinen Leerlauf und kann nur mit Motorkraft fahren.
– Abbau teils leicht, teils selbst für Erwachsene schwierig. Hier komischerweise beides bei allen Verbindungsteilen – manche gingen gut, manche fast gar nicht auseinander.

Insgesamt überzeugt uns die Construction Challenge leider überhaupt nicht. Es gibt zu viele Schwachpunkte, die auch bei einem Set mit einer UVP von rund 30€ nicht akzeptabel sind. Schlussendlich darf man nicht vergessen, dass es ein Kinderspielzeug ist. Die Kids sollen damit Spaß haben und Lust am Bauen, Entdecken und Experimentieren bekommen. Hier gibt es jedoch so viele frustige Stellen, dass der Spielspaß schnell in Vergessenheit gerät.
So genial wir das Clempad von Clementoni auch finden – die technischen Baukästen sollten sie lieber fischertechnik überlassen.

(Dieses Posting entstand in Zusammenarbeit mit Clementoni und Channelbuzz. Unsere Meinung beeinflusst das nicht.) 

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