Blogger, Finanzen und Gewerbe ….

Heute dreht es sich mal um ein Thema, zu dem in letzter Zeit viele Fragen aufgetaucht sind. Ich selbst habe erst vor wenigen Monaten alles „durchgemacht“ und bin deshalb noch relativ fit in dem Thema. Zur Information habe ich mich damals selbst durch das (gefühlte) ganze Internet gewühlt, aber wenn, dann nie komplette Informationen gefunden. Oder wenn, dann waren sie nicht richtig. Jetzt bekommt ihr eine komplette Übersicht mit meinem Wissensstand. Die Informationen stammen größtenteils von meiner Steuerberaterin, teils vom Gewerbeamt, teils Finanzamt.
Trotzdem ist folgendes wichtig: Dieser Bericht ist nur rein informativ zu sehen. Genaue Informationen bekommt ihr von eurem Steuerberater, Finanz- und Gewerbeamt! Und natürlich übernehme ich keine Haftung… Sollten Fehler in meinem Bericht sein, werde ich diese gern berichtigen …

Immer wieder taucht bei Bloggern die Frage auf, ob man sich eigentlich einen Gewerbeschein zum Bloggen braucht oder die Einnahmen beim Finanzamt angeben muss. Kurz gesagt: Ja, muss man!

Selbständigkeit
Muss die wirklich sein? Ehrlichgesagt – ich weiß es nicht. Ich war schon vorher nebenbei selbständig und von daher war es für mich klar, dass ich auch mit dem Bloggen den Weg der Selbständigkeit gehen werden. Eigentlich gibt es als Anlage zur normalen Steuererklärung eine Anlage für Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit. Mein Finanzamt sagte mir damals allerdings, dass man diesen Bogen nur für einmalige Dinge ohne Selbständigkeit nutzen dürfte. Nicht aber für regelmäßige. Dafür wäre dann die Selbständigkeit da.
Außerdem hat eine Selbständigkeit große Vorteile. Man kann nämlich seine Ausgaben absetzen. Das hat natürlich große Vorteile, vor allem, wenn man vielleicht Ausgaben durch Werbung, aber mal keine Einnahmen hatte.

Beantragt wird das ganze beim Finanzamt. Dafür gibt es 2 Wege. Entweder beantragt man zuerst einen Gewerbeschein – dann wird das Finanzamt automatisch benachrichtigt. Oder man geht direkt zum Finanzamt und erst danach zum Gewerbeamt.

Gewerbeamt?
Grob gesagt gibt für das Finanzamt 2 verschiedene Arten von Selbstständigkeit. Für alles, was man durch eine Ausbildung erlernen kann (Arzt und sonstiges) benötigt man keinen reinen Gewerbeschein, sicher aber irgend eine andere Zulassung. Auf jeden Fall ist man dann Freiberufler. Für alles, was man nicht lernen kann – wozu das Bloggen eindeutig gehört, benötigt man einen Gewerbeschein. Doch nicht jeder, der bloggt, benötigt einen.
So kann man grob sagen, dass jeder, der Geld verdienen möchte, auch einen Gewerbeschein benötigt. Dabei ist es egal, ob es Einnahmen durch geschriebene Texte, geschaltete Werbung oder sonstiges sind.
Generell gilt aber: Wer Einnahmen plant, ist damit auf jeden Fall auf der sicheren Seite!

Auch wenn es sich so anhört, als würden Gewerbeschein und Finanzamt eng zusammenhängen – sie tun es nicht. Die Gewerbeanmeldung ist eine reine Anmeldung für die Stadt und hat nichts mit Finanzen oder dem Finanzamt zu tun.

Gewerbeschein beantragen
Der Gewerbeschein wird beim zuständigen Ordnungsamt bzw. Rathaus beantragt. Zumindest bei uns ist es so. Hier kann man sich den Bogen zwar schon online anschauen, ausdrucken und ausfüllen. Allerdings wurde bei mir sowieso alles im PC eingetragen. Anschauen macht schon Sinn, ausfüllen eher weniger.
Abgefragt wird nichts schlimmes. Ihr müsst eure Daten angeben, den Ort des Gewerbes, ob ihr Angestellte habt, einen Handwerksberuf ausübt und damit einer Handwerkskammer angehört und so weiter. Unter anderem auch, ob es ein Haupt- oder Nebengewerbe ist. Meine Steuerberaterin empfahl mir, es als Nebengewerbe anzumelden. So ist man immer noch offen, für alles, was da noch kommen kann. Auch bezuschusst das Arbeitsamt nur das erste Hauptgewerbe. So haltet ihr euch für den Fall der Fälle auch diese Option offen.
Auch sehr wichtig ist die Frage nach dem „Was tun sie genau?“. Ich habe „Internettextdienstleistungen“ angegeben. Achtet darauf, dass es so schwammig wie möglich formuliert ist. Wobei es das Gewerbeamt natürlich so genau wie möglich haben möchte. Legt ihr euch nicht zu 100% fest, habt ihr die Möglichkeit, auch mal andere Dinge zu tun ….
Auch dabei ist natürlich die Frage, ab wann das Gewerbe angemeldet werden soll. Da ich erst eine falsche Auskunft vom Finanzamt bekommen hatte, meldete ich mich 3 Monate rückwirkend an. Das war für das Ordnungsamt kein Problem. Allerdings sollen wohl auch Ordnungsstrafen möglich sein, wenn man zu spät meldet.

So im Großen und Ganzen waren das auch schon die Fragen. Danach „dürft“ ihr Geld bezahlen – bei mir waren es 25 Euro, es kann aber auch mehr sein. Die Quittung gut aufheben, denn die kann man bei der Steuer mit ansetzen.

Wer es nicht eilig hat, braucht jetzt nur noch zu warten. Das Gewerbeamt benachrichtigt automatisch auch das Finanzamt und man bekommt von denen einen Bogen zugeschickt. Bei mir hat es allerdings rund 3 Wochen gedauert, bis dieser Bogen kam.

In einigen Blogs habe ich gelesen, dass es Steuerhinterziehung ist, wenn man keinen Gewerbeschein hat. Ist es nicht! Es ist „nur“ eine Odnungswidrigkeit!

Einige Wochen nach der Gewerbeanmeldung bekommt man außerdem Post von der IHK – auch da ist man nun automatisch Mitglied. Zuerst dachte ich, dass man auch hier zahlen müsste. Muss man auch, allerdings erst ab einem gewissen recht hohen Einkommen. Bleibt man darunter, ist die Mitgliedschaft kostenfrei. Sollte man irgendwann darüber kommen, bekommt man automatisch eine Zahlungsaufforderung von der IHK.

Die Steuernummer
Sobald ihr beim Gewerbeamt angemeldet seit, führt an der Selbständigkeit kein Weg mehr vorbei. Je nach dem wie dringend ihr Rechnungen ausstellen wollt, gibt es 2 Möglichkeiten.

Nummer 1 ist, dass ihr auf den Fragebogen vom Finanzamt wartet. Bei mir hat es, wie schon gesagt,  rund 3 Wochen gedauert. Dann muss aber der Fragebogen zurückgeschickt werden, wird ausgewertet und erst dann gibt es per Post eine zusätzliche Steuernummer für die Selbständigkeit.

Variante 2 ist die schnellere. Dann geht ihr selbst zum Finanzamt und meldet eine Selbständigkeit an. Je nach Lust und Laune des Beraters kann das extrem schnell gehen. Ich durfte damals gleich vor Ort alles ausfüllen und bekam ca. 2 Wochen später meine Steuernummer per Post zugeschickt. Gerade das Ausfüllen vor Ort ist perfekt für alle, die sich nicht sicher sind, was sie wo eintragen müssen. Ging mir damals auch nicht anders.

Der Bogen vom Finanzamt ist dem vom Gewerbeamt sehr ähnlich. Es werden wieder eure Daten und die Eures Gewerbes abgefragt. Zusätzlich müsst ihr jetzt auch noch euren Umsatz schätzen. Hier gibt es grob gesagt eine Grenze: über oder unter 17.500 Euro pro Jahr. Ich glaube nicht, dass Blogger über diese Grenze kommen – zumindest niemand, der nebenbei bloggt.
Bleibt man unter dieser Grenze, ist man vom Ausweisen der Umsatzsteuer befreit und gilt als Kleinunternehmer.

Kleinunternehmerschaft
Eine Kleinunternehmerschaft ist total simpel. Man darf Rechnungen (ohne Mswst) ausstellen, macht genauso 1x pro Jahr eine Steuererklärung, zahlt keine Steuer im Voraus. Alles wie gesagt recht simpel.

Beim Rechungen ausstellen muss man darauf achten, dass ein bestimmter Zusatz auf den Rechnungen steht. Dieser muss enthalten, dass man Kleinunternehmer ist und nach §19 keine Mwst. ausweisen darf. Eine genaue Aufstellung, was alles auf die Rechnung rauf muss, findet ihr zum Beispiel bei iyotta. Die Form ist dabei egal, wichtig ist, das alle Punkte enthalten sind (mal abgesehen von der Rabattregelung, wenn sie nicht vereinbart wurde).

Kleinunternehmer sind nicht zur Buchführung verpflichtet, aber es macht natürlich Sinn seine Fälligkeiten und Ausstehendes im Blick zu haben. Generell kann man aber auch nur ansetzen, wofür man eine Rechnung hat.
Zusammen mit der normalen privaten Einkommenssteuererklärung füllt man Anlage G oder S aus (müsste eigentlich G sein, bin mir da aber nicht sicher). Zusätzlich muss man eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung abgeben. Diese darf bei unter 17.500 Euro formlos erfolgen, ansonsten auf Anlage EÜR.

Generell gilt aber, dass alles anzusetzen ist. Es gibt zwar einen Freibetrag, aber über den entscheidet das Finanzamt. Auch wenn es nur 10 Euro im Jahr sind – sie sind anzusetzen!
Ich habe auch öfter gelesen, dass es ok ist, kostendeckend zu arbeiten und man in diesem Fall keinen Gewerbeschein braucht. dDann würde man zum Beispiel nur so viel Geld einnehmen, wie man für die Homepage im Jahr zahlt. Ich weiß es nicht, bin auch kein Steuerberater. Allerdings kann ich es mir nicht vorstellen, denn auch damit verfolgt man das Ziel Gewinn zu erwirtschaften. Und sei es nur, um die eigenen Kosten zu decken. Damit wäre man wieder in der Pflicht eines Gewerbescheins. ….

So, ich hoffe, ich habe alles erwähnt. Wenn nicht, fragt einfach ;)
Ansonsten kann ich Euch den Besuch beim Steuerberater ans Herz legen. Viele beraten auch Stunden (oder Halb-Stunden)-weise. Die Rechnung dafür kann man natürlich auch wieder absetzen. ….

12 Kommentare

  1. Silvana Zemke

    Ich bin ja erst ganz neu im Bloggeschäft und frage mich grad,wie man damit geld verdienen kann *g* alles noch neuland für mich ich wühl mich gleich mal durchs www :)

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  2. Sandra

    Es gibt diverse Seiten, bei denen man Geld für’s Bloggen bekommt. Da wäre zum Beispiel Hallimash, Trigami und co. Ansonsten bekommst Du auch Geld, wenn jemand auf Deiner Seite Werbung schalten möchte. Oder Du einen bezahlten sonstigen Textauftrag annimmst (schau mal bei bloggerjobs.de) … :)

    lg, sandra

    Antworten
  3. Lucidia

    Toller Beitrag, ich bin auch am überlegen aber bisher habe ich noch keinen Cent mit meinem Blog verdient, wenn die kostenlosen Produkttests nicht als bezahlung durchgehen?
    Danke für den ausführlichen Bericht, jetzt bin ich um einige Sachen schlauer

    Antworten
    1. Sandra

      Die Rezensionsexemplare gelten nicht als Einnahme und brauchen nicht versteuert zu werden. Meinte zumindest die Steuerberaterin. :)

      lg, sandra

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  4. sakon

    Hallo. Für Laien hast du das recht gut erklärt. Der Einkommensteuer ist die Anlage G beizufügen (G steht für Gewerbebetrieb). Die Anlage S ist das Gegenstück dazu für die Freiberufler.

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  5. Maja

    Hallo,

    danke für den Beitrag. Ich hätte den mal lesen sollen, bevor ich mein Gewerbe angemeldet habe. Nun habe ich zu stehen Produkttests und Linkverkauf. Ich frage mich nun, ob ich auch für andere Texte gegen Bezahlung schreiben darf. Kann ich das irgendwie nachtragen lassen oder ist das im Endeffekt nicht so wichtig.

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    1. Sandra

      Ehrlichgesagt weiß ich es nicht. Im Zweifelsfall würde ich sonst einfach beim Gewerbeamt anrufen. Kann mir durchaus vorstellen, dass es nicht so schlimm ist – immerhin sind die Sachen ja alle irgendwie artverwandt :)

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  6. Danny

    Vielen Dank für diesen beitrag!
    Ich bin nun deutlich aufgeklärter was das bloggen angeht und da ich schon einen gewerbeschein in bearbeitung habe weiss ich nun was ich noch alles zu tun habe und was auf mich zu kommt!
    ich hoffe ich darf noch mehr interessante beiträge bei dir finden!

    Liebe grüße
    Danny

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  7. tutti

    huuhu. also ich hab da mal ne frage , wenn ich nur Produkttest ab und an mal mache auf meinem Blog und arbeitslosengeld 2 beziehe muss ich das dann irgendwo melden ???
    Ich meine ich verdiene ja nichts nur eben ab und an darf ich die sachen behalten die ich teste ?

    würde mich über eine antwort seeeeeeehr freuen

    Antworten
    1. mark

      @tutti

      Sobald du regelmäßig Einnahmen hast, mit dem Ziel Gewinn zu zu machen solltest du dich lieber schlau machen ob du ein Gewebe anmelden musst (Einfach mal beim Finanzamt und Odnungsamt anrufen auch Infoseiten wie z.b. http://gewerbeschein-kleinunternehmer.de/ geben dir schon einen Überlick). Ich selber kenne mich nicht mit HAZ4 aus, aber ich glaube einen Betrag X darf man dazu verdienen (Ohne Gewähr). In wie weit das mit Überlassung von Gegenständen zusammen hängt kann ich dir leider nicht beantworten. Ich würde einfach mal bei dem ARGE Anfragen, wie die Sache aussieht. Ich glaube zwar nicht, das die dir ans Bein pissen, da es sicherlich nur kleinigkeiten sind, wie z.B. mal PC-Spiel… Aber wie gesagt ich kenne mich da nicht wirklich aus, darum frage am besten direkt nach.

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  8. Pingback: Steuern zahlen? – Betrifft mich doch nicht! › Sandra's Testblog

  9. Sebastian Grund

    Gott sei Dank muss ich mich nicht um so etwas kümmern. Dafür hab ich ja einen Steuerberater, der das für mich erledigt. Gut, diese kosten auch Geld, aber oftmals kommt trotzdem ein Plus durch Rückzahlungen zustande. Darum kann ich das nur jedem empfehlen, der keine Lust oder keine Geduld hat, selber seine Steuererklärung zu machen. ;-)
    Für mich ist es seit 1 Jahr Pflicht, da mein Internet-Gewerbe doch mehr abwirft als gedacht. Fluch oder Segen, wer weiß?

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