Bauknecht – Die MW 88 SL im Praxistest

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Vor knapp 3 Wochen hatte ich es euch hier schon angekündigt und hier kommen sie nun – meine Praxiserfahrungen mit einer Mikrowelle, die auch grillen, knuspern und „backen“ kann. Gleich zu Beginn muss ich allerdings sagen, dass alles natürlich eine Gewöhnungssache ist. Es ist wie mit einem neuen Herd oder einem neuen Topf – man muss sich erst einfinden und weiß nach einiger Zeit, wie man was am Besten erreicht. So auch hier, denn inzwischen haben wir uns ganz gut zusammengerauft, die 88 SL und ich.

Vertiefung für den Drehteller

Tiefergelegter Drehteller für noch mehr Platz

Die Mikrowellen-Funktion

Maximal 700 Watt erreicht sie. Das ist im ersten Moment nicht gerade viel, denn unsere alte Mikrowelle brachte 850 Watt mit. Überraschenderweise ist das Ergebnis in den Laufzeiten jedoch nahezu identisch, wenn nicht sogar besser!
Hier gibt es selten mal TK-Hühnerfrikassee, wenn es mal schnell gehen muss. Bei unserer alten MW musste es sich 10 Minuten drehen und alle paar Minuten umgerührt werden. Probeweise habe ich es jetzt auch wieder versucht – mit 10 Minuten und nur einem Mal umrühren. Es war perfekt! Es war komplett durchgewärmt und vor allem war es gleichmäßig heiß. Früher kochte der Rand schon fest, egal wie oft ich am Rühren war, hier dagegen überhaupt nicht. Noch dazu lief die Mikrowelle jetzt mit einer geringeren Wattzahl die gleiche Zeitspanne. Absolut überzeugend!

Die Mikrowellenfunktion kommt noch mit kleineren Spielereien daher. So gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, Getränke aufzuwärmen. Bis zu 4 Tassen können eingestellt werden, das Gerät entscheidet automatisch, wie lange es erwärmt. Leider überzeugte uns das nicht so wirklich, denn meist waren die Getränke nicht warm genug.
Sehr praktisch ist dagegen die Schnellstart-Taste. Drückt man ohne vorherige Einstellungen auf den Startknopf, läuft die Mikrowelle sofort 30 Sekunden los. Durch mehrmaliges Drücken kann die Zeit um jeweils 30 Sekunden verlängert werden.

Die Leistungsschritte sind: 90W, 160W, 350W, 500W und 700W (Jet). Eingestellt werden sie nach dem Drücken der Mikrowellentaste über das Drehen des Einstellknopfes.

Schnell-Auftauen

Es gibt so Tage, da hat man entweder keine Zeit oder aber auch keine Lust zu kochen. Manchmal überlege ich mir auch erst vormittags, was wir denn am gleichen Tag essen und nehme es dann aus dem Tiefkühlfach. Bei einer Suppe mag das gehen, aber nicht alles kann man so einfach auftauen. Gerade Fleisch und Fisch ist sehr heikel, soll es ja erst im Topf oder der Pfanne und nicht schon beim Auftauen gegart werden. Perfekt soll dafür die Schnell-Auftau-Funktion sein und genau deshalb kam zu Testzwecken ein 500g-Klotz Hackfleisch für 2 Tage in den Froster.

Bedienung – Theorie:
Die Lebensmittel inkl. Teller auf den Glasteller legen, keine Crisp-Platte oder Grillroste verwenden. Die Schnellauftau-Taste wiederholt drücken um das jeweilige Lebensmittel zu wählen. Als nächstes durch Drehen des Einstellrades das Gewicht der gefrorenen Speise angeben und die MW starten. Nach der Hälfte der Zeit stoppt das Gerät, damit die Speise gewendet werden kann. MW danach wieder starten.

2 Teller mit Hack

nur das kleine bisschen im Vordergrund war aufgetaut

In den seltensten Fällen ist das, was man auftauen möchte, ganz platt – mein Hackfleisch-Klotz entspricht da wahrscheinlich schon eher dem normalen Bild. 2 ¾ Minuten sollte das Hackfleisch laut Berechnung ganz rund brauchen, ganz schön wenig wie ich fand. War es denn auch, denn nach der Zeit waren trotz Wendens gerade mal die Ecken aufgetaut. Ich kratzte also alles ab was lose war und stellte den Rest erneut in die Mikrowelle – mit neuer Gewichtsberechnung natürlich. Die Zeit änderte sich trotzdem kaum. Schlussendlich war das Hack gute 5 Minuten im Gerät. Drei Stellen begannen schon zu Garen, in der Mitte war ein kleiner Kern noch gefroren.
Auch wenn sich das jetzt nicht soooo optimal anhört, bin ich trotzdem recht zufrieden. Es ist auf jeden Fall eine sehr einfache Möglichkeit und vor allem muss man sich nicht groß darum kümmern. Die Zeiten passen nicht so wirklich, aber lieber so als andersrum und alles wäre schon durchgegart.

Hack im Kreis

Außen aufgetaut, in der Mitte noch ein klein wenig gefroren

In meinen Träumen stelle ich das Essen, das einfach nur ein bisschen braun werden soll, auf den Grillrost in die Mikrowelle und nach einer kleinen Weile ist es schön gebräunt und sieht lecker aus. Leider stimmen Traum und Wirklichkeit aber oft nicht so wirklich überein – so auch bei der Grillfunktion.

Bedienung – Theorie:
Beiliegend zur Mikrowelle werden 2 verschiedene Grillroste mitgeliefert – ein niedriger und ein hoher. Zum „Grillen“ soll der höchste Rost verwendet werden. Die Grilltaste drücken, am Einstellknopf die Garzeit einstellen und das Gerät starten.

Wirklich braun ist was anders. Immer wenn ich die Funktion ausprobierte, war ich am Ende über das Ergebnis enttäuscht. Mein alt-herkömmlicher Weg war bisher entweder der Mini-Flammenwerfer oder aber der Backofen mit Oberhitze inkl. Backblech auf der obersten Stufe. Nach 4-5 Minuten war alles schön braun und gegrillt – ganz ohne vorheizen. Lasse ich etwas 5 Min. in der Mikrowelle grillen, kommt es nicht ansatzweise so dunkel heraus.

Für mich ist die Grillfunktion leider eine Enttäuschung. Auch wenn ich hier keine Bilder gemacht habe, kann man es auch an der Crisp-Funktion sehen. Die ist eine Kombination aus Mikrowelle und Grill:

Omelett

Crisp-Funktion

Vor ein paar Tagen hatte ich euch schon das Omelett als Rezeptidee online gestellt. Verwendet werden dafür die Crisp-Platte und die mitgelieferte Zange, aber keine Grillroste. Die Crisp-Platte muss zwingend max. 3 Minuten mit der Crisp-Funktion vorgewärmt werden. Leider steht diese Info nur in dem Heft mit den „unwichtigen“ allgemeinen Hinweisen zur Mikrowelle und nicht in der Bedienungsanleitung.
Die Crisp-Funktion ist ein bisschen die eierlegende Wollmilchsau der Funktionen. Eine Tiefkühlpizza soll in 6 Minuten fertig und kross sein, man kann damit braten, aufwärmen und so weiter.

Bedienung – Theorie:
Crisp-Platte auf den Glasteller stellen und mit der Crisp-Funktion vorheizen, Lebensmittel auflegen, mit dem Einstellknopf die Garzeit einstellen und das Gerät starten.

Die Crisp-Funktion ist etwas, auf das ich mich neben dem Grillen am meisten gefreut hatte. Leider war die Enttäuschung dann doch um so größer, als ich feststellte, dass das Gerät eben doch nicht alles perfekt kann. Eine TK-Pizza ist nicht in 6 Minuten fertig (mehr dazu gleich) und auch sonst fehlt einfach die Bräunung dabei. Alles wird zwar knusprig, aber eben nicht (oder nur sehr schwer) braun. Vergisst man vielleicht sogar, die Crisp-Platte vorzuheizen, wird das Ergebnis eher ein bisschen zäh und dauert natürlich noch länger.

Die 6 Minuten-Pizza

Es klingt zu schön – die tiefgekühlte Pizza kommt auf die Crisp-Platte und dann für 6 Minuten in die Mikrowelle. Danach soll sie perfekt gebräunt und knusprig sein – ganz so wie beim Italiener um die Ecke.
Für mich war diese Info von Bauknecht toll, auch wenn wir fast nie Tiefkühlpizza essen. Schließlich zeigte sie aber, dass in der Mikrowelle doch sehr viel mehr steckt, als man vermuten würde. Klar, dass ich das natürlich unbedingt ausprobieren wollte und direkt einen 3er-Pack Tiefkühlpizzen vom Discounter besorgte. Eine normale Pizza passt übrigens sehr gut auf die Platte!

unfertige Pizza

alles richtig gemacht und trotzdem sieht sie nach 6 Minuten noch so aus …

Die erste Pizza war nach rund 12 Minuten fertig – viel zu hell und total zäh, allerdings hatte ich auch vergessen, die Crisp-Platte vorzuheizen. Schade, dass so etwas nicht in der Anleitung steht…
Die zweite Pizza kam auf eine perfekt vorgewärmte Platte und stand auf dem mittleren Grillrost (auch wenn man das nicht soll). Ich wunderte mich, dass die Oberfläche beim ersten Mal so hell geblieben war und dachte, dass sie vielleicht einfach dichter an die Grillstäbe müsste, um gebräunt zu werden. Half nichts, auch wenn das Ergebnis schon deutlich besser war als beim ersten Mal.
Bevor die dritte Pizza in die Mikrowelle kam, bemühte ich tatsächlich Google um herauszufinden, wie genau man denn diese 6-Minuten-Pizza hinbekommt. Gefunden habe ich ein Video bei YouTube das zeigt, dass man die Platte einfach auf den Glasteller stellt. Also wanderte auch die nächste Pizza auf diese Art in den Ofen, wieder einmal für 6 Minuten. Nach Ablauf der offiziellen Garzeit war die Pizza noch weich – kein Anzeichen einer krossen und fertigen Pizza. Im Minutentakt ging es weiter, bis ich nach 11 Minuten schließlich aufgab. Die Pizza war kross und knackig (sehr knackig….), aber wirklich braun war sie nicht. 10 Minuten Garzeit hätten sicher auch gereicht, 6 aber niemals.

helle, fertige Pizza

Nach 11 Minuten knackig, aber wenig gebräunt

Vielleicht müsste ich einfach weiter probieren, aber um ehrlich zu sein, stecke ich die Pizza dann doch lieber in den Ofen. Das dauert auch ohne Vorheizen ein klein bisschen länger, aber sie sieht einfach appetitlicher aus. Geschmacklich dagegen gab es kaum Unterschiede.

Blätterteigtaschen ungleichmäßig gebräunt

Heißluft

Die Heißluft-Funktion die am besten beschriebene Funktion in der Anleitung. Neben der Bedienung findet sich sogar eine Tabelle mit Garzeiten und Tipps für perfektes Gelingen – super! Liest man allerdings die Zeiten, sind sie fast identisch mit den Garzeiten im Ofen. Eine Zeitersparnis gibt es hier also nicht, „nur“ die Energiebilanz ist viel besser, denn die Mikrowelle verbraucht in der Regel weniger Strom als ein Ofen.

Bedienung -Theorie:
Den Herd leer vorheizen, über die Dauer gibt es leider keine Angaben. Die Heißlufttaste drücken, um die Temperatur einzustellen und den Einstellknopf drehen, um die gewünschte Backzeit auszuwählen. Die Lebensmittel sollten fast immer auf die Crisp-Platte gelegt werden, diese wird auf den niedrigen Grillrost gestellt. Alternativ kann man auch eine Kuchenform auf den Grillrost stellen.

Als die Mikrowelle noch ganz neu war, unternahm ich einen eher halbherzigen Versuch mit Blätterteigtaschen, aber so richtig toll wurden sie nicht. Viel zu hell waren sie und noch dazu ungleichmäßig gebräunt. Den zweiten Versuch unternahm ich mit Muffins. Ich studierte vorher mal wieder die Anleitung, heizte den Ofen 3 Minuten vor und stellte die Muffin-Förmchen wie in der Anleitung beschrieben auf die (kalte) Crisp-Platte. Dort drehten sie bei 175° ganze 22 Minuten ihre Runden. Gleichzeitig befand sich ein Blech mit Muffins im Ofen. Die Förmchen dort waren gleich hoch befüllt und schwitzten nun bei gleicher Temperatur, so dass man perfekt vergleichen kann.

hell gegen dunkel, ofen gegen MW

oben aus dem Ofen, unten die aus der Mikrowelle

Nach 22 Minuten kamen beide aus dem Ofen bzw. der Mikrowelle und der Unterschied war enorm. Die Muffins in der Mikrowelle waren flach und eigentlich überhaupt nicht aufgegangen, die im Ofen dagegen schon. Die Bräunung war bei der Mikrowellenversion fast nicht vorhanden, dafür waren sie aber sehr gut durch und schon zu trocken. 20 Minuten hätten es hier sicher auch getan, aber dann wären die Muffins wohl noch heller gewesen. Die Ofenmuffins waren dagegen perfekt saftig und fluffig.
Ich war vom Ergebnis sehr überrascht und hätte nicht gedacht, dass der Unterschied so extrem sein könnte. Noch dazu schreckte mich das Ergebnis so sehr ab, dass ich gar keinen weiteren Versuch unternahm.

Es gibt spezielle Rezepte für Mikrowellenkuchen, der dann in der Regel nur 2 oder 3 Minuten „gebacken“ wird. So etwas würde ich immer wieder nutzen, das richtige Backen überlasse ich dagegen lieber dem Ofen.

Fazit

6 Wochen wohnt sie nun schon bei uns und wir haben uns aneinander gewöhnt. Die Crisp-Platte ist eigentlich ganz praktisch, denn teilweise spart sie auch Abwasch. Nicht jede Funktion ist so toll, wie sie von Bauknecht beschrieben wird, bei einigen werde ich wahrscheinlich auch einfach noch ein bisschen rumprobieren müssen. Nie wieder versuchen werde ich allerdings die Heißluft-Funktion zum Kuchen oder Kekse backen.

Etwas ungewohnt ist für mich, dass ich nun nichts mehr auf die Mikrowelle stellen kann. Früher war es für mich einfach eine kleine Ablagefläche, heute nutze ich es bei der Crisp-Funktion zum Aufwärmen der Teller. Ohne Teller könnte man sicher auch ein Spiegelei darauf braten, denn die Außenhülle wird bei Nutzung von Grill, Crisp oder Heißluft doch sehr warm, um nicht zu sagen heiß.

Insgesamt ist meine Meinung sehr gemischt. Eine ordentliche Bedienungsanleitung würde vieles vereinfachen, mit ein bisschen Zeit und vor allem Ehrgeiz findet man es aber auch so heraus. Trotzdem wird man so wohl nie das komplette Potenzial des Gerätes ausschöpfen, denn man weiß einfach gar nicht, was es alles kann.
An die anfänglichen Nervpunkte mit Licht und auch dem Weiterlaufen nach dem Klingeln habe ich mich inzwischen gewöhnt, so wie an das ganze Gerät an sich. Vom Grill bzw. eher dem Bräunungsfaktor bin ich total enttäuscht, die Crisp-Funktion dagegen ist gar nicht so übel, auch wenn die Bräunung hier wieder fehlt.
Der 3D-Rundum-Effekt ist auf jeden Fall vorhanden und als herkömmliche Mikrowelle ist sie super. Und als solche wird sie wohl bei uns auch hauptsächlich im Einsatz sein.

Die Mikrowelle wurde mir für diesen Test zu einem etwas günstigeren Preis verkauft. Meine Meinung beeinflusst das nicht.

6 Kommentare

  1. Rolf

    Vielen Dank für die ausführliche Info. Perfektes Timing für den Bericht, wir sind gerade über diese Mikrowelle gestolpert.

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  2. Jürgen

    Danke für deine Mühe uns davon zu berichten!
    ich wollte zuvor schon zu diesem Gerät von Bauknecht greifen, aber nun werde ich doch nur ein reines Mikrowellengerät kaufen. Ein echter Ofen ist wohl doch durch nichts zu ersetzen.

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  3. Chris

    Die Crisp Funktion Kritik kann ich so nicht nachvollziehen: Ich habe eine EMCP 9238 gekauft und es ausprobiert: Wagner Steinofen Pizza war nach 6-7 Minuten heiss, crisp und auch leicht gebräunt (durch den Grill). Fantastisch heiss. Im Ofen wird sei meiner Meinung nach NICHT besser.

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    1. Sandra (Beitrag Autor)

      Lecker ist sie ja trotzdem, aber die Bräunung haut überhaupt nicht hin. Schaut man sich ein bisschen im Internet um, ging es da auch nicht nur mir so mit der Crisp-Funktion. Vielleicht ist sie bei deinem Gerät wirklich besser/anders umgesetzt? Du hast ja eine ganz andere Mikrowelle.

      Und heiß wird sie hier auch :D

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  4. Sibs

    Ich habe zwar keine Bauknecht, sondern eine Whirlpool, beide scheinen aber recht ähnlich zu sein.

    Der Unterschied bei der Pizza kommt m. E. davon, weil beim obigen Test die Crisp-Funktion ja jede Minute unterbrochen wurde. Dann gehen die Grillstäbe jedes Mal aus und wieder neu an, da kommt keine rechte Hitze zustande. Ich habe schon Aufläufe in der Crisp-Form gemacht, die werden vielleicht nicht perfekt, aber angebräunt sind sie schon. Der Knaller aber sind für mich Backofenpommes, braun und knusprig …

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    1. Sandra (Beitrag Autor)

      Hm, könnte sein, aber: Die ersten Pizzen hatte ich einfach nur per Sichtkontrolle bei laufender Mikrowelle „begutachtet“ und so lange laufen lassen. Erst bei der 3. und letzten hatte ich ständig unterbrochen. Gerade da hast du Recht – die ständigen Unterbrechungen sorgen dann nicht gerade für eine beständige Hitze. Wobei die Tür immer nur ein paar Sekunden auf war :D

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