„An jedem neuen Morgen“ – Rezension

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Völlig überraschend bricht Amy Rosenblatt auf dem Laufband zu Hause zusammen. Sie ist 38, als sie an einem bis dahin nicht erkannten Herzfehler stirbt. Sie hinterlässt ihren Mann und 3 Kinder. Ihre Eltern – Roger und Ginny ziehen daraufhin bei ihrer Familie ein und helfen Harris – Amy’s Mann – wo sie nur können. Zusätzliche Unterstützung haben sie von Ligaya, dem Kindermädchen.
Von einem großen Haus mit Bibliothek ziehen sie nun in ein kleines Gästezimmer und kümmern sich rund um die Uhr um Jessica (7 Jahre alt), Sammy (5) und James. Der wird von allen nur Bubbies genannt und ist 20 Monate alt.
Als Leser erlebt man die Monate 6-15 nach Amys Tod aus der Sicht von Roger, ihrem Vater.
Geschrieben ist das ganze Buch wie eine Art Tagebuch. Eigentlich fehlen nur die entsprechenden Daten zu den Einträgen.

Wer eine spannende Story erwartet, ist hier völlig fehl am Platz. Eher im Gegenteil. Man erlebt das Leben aus Rogers Sicht. Das zur Schule bringen, Disney World besuchen, Familientage, … Zwischendurch immer wieder Rückblenden in Amys Leben.
Im Laufe des Buches lernt man die Familie immer besser kennen, zu einem gewissen Teil mochte ich sie sogar. Ich konnte mir vorstellen, dass Amy bestimmt eine tolle Frau war. Auch, wie schrecklich es für die Familie gewesen sein muss, die Mutter, Ehefrau und Tocher zu verlieren.

Trotzdem muss ich sagen, dass ich mich zum größten Teil furchtbar gelangweilt habe. Mir war von vornherein klar, dass dies ein besonderes Buch ist, dass sicher nicht mit „normalen“ Maßstäben zu messen ist. Ich war gespannt, wie die Familie mit der Trauer umgeht und lernt, den Alltag zu bewältigen. Doch von Trauer keine Spur. In 2 Stellen im Buch kommt die Trauer durch. Nämlich dann, als Bubbies nach seiner Mama fragt. Ansonsten ist die Rede von Schulbesuchen, einer Spielekonsole die gekauft wird, Umbauten am Haus und sonstigen Dingen. Teils ausführlich, teils stichpunktartig. Es wird eher am Rande erwähnt, dass die Kinder eine Therapeutin haben, die Erwachsenen das aber nicht für nötig halten.

Mir fehlte einfach lange Strecken der Bezug zum Buch. Ich fühlte mich, als lese ich einen Text, den jemand über seine Bekannten geschrieben hat. Emotionen? Oft Fehlanzeige. Erst gegen Ende fühlte ich mich allem wieder verbunden.
Roger Rosenblatt schrieb das Buch sicher auch als eine Art Trauerbewältigung. Als solches würde ich persönlich es beim Lesen nicht sehen. Vielleicht geht es nur mir so, vielleicht sind es aber auch die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und den USA. Ich fand vieles im Buch überzogen – so zum Beispiel die „Hymne“ Boppo unser Held. Auch frage ich mich seit dem Lesen öfter „Was würde ich tun, wenn…?“ und hoffe gleichzeitig, dass dieser Fall nie nie nie eintreten wird.

Ein Buch, dass man zwar lesen kann, aber nicht viel verpasst, wenn man es nicht gelesen hat. Was ich mir jedoch daraus mitgenommen habe: Man sollte das Leben genießen. Nicht nur für sich allein, sondern mit seinen Lieben. Denn man weiß nie, wie kurz oder lang es ist …

Ich gebe 3 von 5 Sternen.

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