1 Jahr danach – wie viel bringt eine Mutter-Kind-Kur eigentlich?

[gesponsertes Posting]

Gut ein Jahr ist es her, dass ich die Genehmigung für meine Kur in der Hand hielt und Ende November 2011 ging es schon los. Alles in allem sehr zügig, wenn man bedenkt, dass ich den Kurantrag erst am 3.11.2011 gestellt hatte. Als Eilantrag, aber immerhin.

Was war passiert?

Das lässt sich relativ einfach und kurz zusammenfassen. Hausbau, Kind, Schwanger, Burn out, Schwangerschaftsdepressionen. Irgendwann geht einfach nichts mehr und so im Nachhinein wundere ich mich immer noch, dass es überhaupt so lange ging. Aber da merkt man dann doch wieder, wie sehr wir bzw. unser Körper in der Lage sind, uns und sich anzupassen.
Der Kurantrag war ein hartes Stück Arbeit. Gerade wenn man unter starken Depressionen leidet, füllt man nicht mal eben einen 5-seitigen Bogen aus, der bei mir nachher als Computerausdruck auf rund 10 Seiten angeschwollen war. Aber ich habe es geschafft und denke auch heute noch, dass genau dieser Kurantrag überhaupt der Anfang des Weges der Besserung ist. Man muss für diesen Antrag ehrlich zu sich selbst sein und nicht einfach nur im Internet suchen, was man dort eintragen sollte. Auch wenn der Platz auf diesen Bögen sehr wenig und knapp bemessen ist, sollte man richtig ausformulieren und nicht nur Stichpunkte schreiben. Auch tut es ein „Ich bin ausgepowert und brauche eine Luftveränderung“ nicht unbedingt. Aber ich habe leicht reden, denn meine Kur wurde auch sofort im 1. Anlauf genehmigt.

Die Kur

Ich hatte damals recht lange nach einem geeigneten Kurheim gesucht und wollte auf gar keinen Fall in den Süden. Die Ostsee sollte es sein, auch wenn es Winter war. Nachdem die Genehmigung dann da war und feststand, dass ich mit meinem damals 2.5 Jahre alten Sohn hätte allein fahren müssen, planten wir doch um. Es wurde der Süden, schließlich können wir jeden Tag an die Ostsee. Dafür durfte der Mann mit – ganze 3 Wochen kostenlose Vollverpflegung, nicht mal Praxisgebühr fiel für ihn an. Ein Sonderangebot des Kurheims für Besucher. Im Nachhinein ein absoluter Glücksgriff, denn nicht nur das Kurheim war (mal abgesehen von der Kinderbetreuung) super, sondern eben auch, dass mein Mann rund um die Uhr bei mir war und wir uns viele Aufgaben teilen konnten.
Neben Seminaren zur Stressbewältigung stand die Erholung im Vordergrund. Statt eines straffen Zeitplans gab es jederzeit kurzfristig buchbare Arzt- und Psychologengespräche. Sport sollte sein, durfte aber auch mal ausfallen. Schlussendlich wurde uns genau das beigebracht, was ich auch geahnt hatte – man muss auf sich selbst achten und auch selbst bereit sein, etwas zu tun. Ist man das nicht, dann kann auch das beste Kurprogramm der Welt nichts helfen.

auf der Baustelle

Die Monate danach

Ich kann noch gar nicht richtig glauben, dass es wirklich schon ein Jahr her ist, dass ich die Auszeit hatte. In den ersten Wochen wünschte ich mich fast täglich zurück, denn das Leben war (mal abgesehen von der Kinderbetreuung) so viel einfacher da.  Allein schon, dass man nie kochen oder saubermachen brauchte. Es gab täglich nicht nur einen, sondern diverse Salate. Wer bitte stellt sich zu Hause hin und macht täglich zum Abendbrot 5 verschiedene Salate? Noch dazu, wenn die Männer kucken, als wollte man sie mit Grünzeug vergiften?

Die erste Zeit war hart, denn der Alltag ist unerbittlich und niemand nimmt Rücksicht. Für uns waren gleich mehrere Faktoren ein Glücksfall. Wir kamen am 21.12. wieder zu Hause an und der Mann musste nur 2 Tage arbeiten, dann war Weihnachten. Und wir kamen zusammen zu Hause an. Ich mag mir gar nicht vorstellen wie es ist, wenn man in einen Haushalt kommt, der 3 Wochen komplett weitergelebt hat. Auf uns wartete jedoch fast alles so, wie wir es verlassen hatten und das war auch gut so.
Die erste Bewährungs-Stressprobe kam auch direkt auf uns zu. Gerade für kleine Kinder ist eine Kur ein Ausnahmezustand und auch sie brauchen Zeit, um sich wieder einzugewöhnen. Bei unserem Sohn dauerte das damals auch wirklich ein paar Tage, in denen er einfach unausstehlich war.

In den ersten Monaten sind die Eindrücke noch frisch, der Willen zur Veränderung ist da und man tut tatsächlich so einiges. Mir ging es schon einen Monat nach der Kur wieder so gut, als wäre nie etwas gewesen. Da spielt sicherlich auch die spezielle Thematik der Schwangerschaftsdepression mit rein, von der mein Arzt meinte, dass sie erfahrungsgemäß immer nur bis zum 6. Monat anhält (das war der Januar). War auch so und wenn ich heute daran zurückdenke, kommt es mir fast wie ein böser Traum vor. Aber man soll ja alles im Leben mal mitgenommen haben. Depressionen kannte ich bis dato überhaupt nicht und will sie, wenn ich ehrlich bin, auch nie wieder haben.

Irgendwann, im Laufe der Monate, fängt man aber doch an, schlusig zu werden. Man arbeitet „nur mal die eine Woche“ viel länger als sonst. Man geht doch wieder an sein Limit, denn es ist ja nur kurzfristig und ein Ende absehbar. Man fängt wieder mit alten Verhaltensmustern an, die man längst abgelegt glaubte. Bei Magenschmerzen geht man nicht zum Arzt, sondern schluckt lieber erst Iberogast statt chemischer Keule. Schließlich ist es ja pflanzlich und ganz bestimmt gut. Zumindest denkt der Mann im Moment so.
In letzter Zeit denke ich tatsächlich häufig an die Kur zurück, vor allem, seit unser großer Sohn mal wieder mitten in einer sehr heftigen Trotzphase und der Mann in einer Bauschmerzen-weil-Stress-Phase steckt. Dabei denke ich aber nicht, dass ich gern wieder eine Kur hätte, sondern, wie die anderen Kinder und Mütter waren, die ich dort kennenlernen konnte. Und welche Tipps uns mit auf den Weg gegeben wurden – gerade gegen Stress und bei trotzenden Kindern. Es beruhigt mich auch heute noch, dass es anderen Eltern ganz genauso geht und es ist etwas völlig anderes, ob man nur im Internet davon liest, dass noch viele andere Kinder mit 3.5 Jahren unausstehlich sind oder man sie selbst live erlebt hat. Man kann es sogar als eine Art Katrastrophentourismus bezeichnen, von dem man noch lange zehrt. Auch wir haben immer noch 2 Mütter und deren Kinder in Erinnerung, an die wir uns wirklich mit Schrecken erinnern und uns freuen, dass unser Großer doch gar nicht so schlimm ist.

Ich für meinen Teil profitiere jetzt, fast 1 Jahr nach der Kur, tatsächlich immer noch positiv davon. Auch mein Mann irgendwie, auch wenn er sehr viel mehr zu kämpfen hat, seine Arbeit, Verein und Familie unter einen Hut zu bekommen. Als solches passe ich dann halt auch auf ihn auf und erkläre ihm immer wieder, dass selbst Iberogast sagt, dass es kein Allheilmittel ist und man seine Magen- und Darm-Beschwerden ernst nehmen muss. Was er hoffentlich auch tun wird.
Früher selbst von Kuren überhaupt nicht überzeugt, empfehle ich sie jetzt guten Gewissens weiter. Manchmal braucht man einfach eine Auszeit – gerade mit Kindern. Eine Kur ist dabei aber kein Urlaub, sondern soll eine Hilfe sein, im Alltag wieder bestehen zu können. Als solches hat sie bei mir bei uns wirklich sehr gut geholfen. Denn wie ich vor einiger Zeit schon schrieb – es sind alles nur Phasen, die vorbeigehen. So auch die alltägliche Heul- und Trotzphase des Großen. Man selbst muss nur stark, aber auch sanft genug sein, sie bestehen zu können. (Klingt verwirrend? Ist es nicht, denn nur mit Stärke und einem Dickkopf kommt man bei keinem trotzenden Kind weiter ;) )

Trotzdem weiß ich nicht, ob ich irgendwann wieder eine Kur beantragen werde. Nach 2 Jahren, wie einige Mütter das versuchen, ganz sicher nicht. Dafür klingen die Ergebnisse noch viel zu sehr nach. Und genau das ist ja der Sinn und Zweck einer Kur.

3 Kommentare

  1. lori

    Hallo Sandra.
    Könntest du mir sagen wie das Kurhaus hieß in dem ihr ward? Ich beantrage auch grade
    Eine kur und wie ich lese wäre es wahrscheinlich genau perfekt für uns. Weil
    Ich auch unbedingt eine Begleitperson dabei haben möchte.
    Da ich die letzte Kur wegen Krankheit meiner Kinder abbrechen musste.
    Würde mich freuen wenn du mir den Namen geben könntest.
    Danke Gruß Lori

    Antworten
    1. Sandra (Beitrag Autor)

      Klar, das war der Hänslehof in Bad Dürrheim. Hier findest du das Besucherprogramm: http://www.haenslehof.de/besucherprogramm.html
      Habe beim Schauen allerdings gerade gesehen, dass es nicht mehr komplett kostenlos ist. Früher war es glaube ich auch schon so, dass man in den Sommermonaten zuzahlen musste bzw. nicht durchgehend kostenlos war. Anscheinend trug es sich dann so doch nicht mehr. Aber aktuell 13 Euro finde ich immer noch sehr angemessen.
      Alternativ kannst Du auch versuchen, Deinen Mann (oder wen auch immer) als Begleitperson mitfahren zu lassen. Da kann Dir ein Kurhaus (irgendeins) weiterhelfen. Die meisten tun das sehr lieb und nett am Telefon. Es gibt auch Kurhäuser, die bei einer gewissen Kinderanzahl (2 oder 3) den Mann kostenlos mit aufnehmen. Ich glaube in Cuxhaven war eins, da müsstest Du allerdings das Internet befragen :)

      Ich drück Dir die Daumen, dass die Kur genehmigt wird!

      Antworten
  2. lori

    Vielen dank, dir!
    Werde mich mal weiter schlau machen

    Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.