Was machst du eigentlich so in letzter Zeit?

„Für mehr Realität auf Instagram“ ist ein recht bekannter Hashtag, der Dinge so zeigt, wie sie wirklich sind. Der nicht den zuckerwolkigen, regenbogenfarben Familien-Einheitsbrei zeigt, den man sonst in der Regel so sieht. Und der etwas zeigt, was mir in den letzten Monaten auch sehr häufig in Blogs fehlte. Denn auch dort scheint es fast nur noch um perfekte Kinder, perfekte Locations und den perfekten Alltag zu gehen.  Die Komplexe beim Lesen und Anschauen angesichts des eigenen, unperfekten, Lebens gibt es gratis dazu.

Etwas mehr als zwei Jahre ist es her, dass ich mich ganz bewusst gegen eine Selbstständigkeit mit meinem Blog und für eine Rückkehr in das reale (Berufs)Leben entschieden habe. Zwei Jahre, in denen viel passiert ist und die ich nicht missen möchte. In denen mein Blog aber auch ein Stück weit brach lag und nur selten mit neuen Themen gefüttert wurde. In denen ich immer mal wieder überlegte, den Blog umzubenennen, wie mir schon häufiger von Presseagenturen ans Herz gelegt wurde. Schließlich sind Testblogs schon länger verpöhnt – Familienblogs heißt das Zauberwort. Aber eigentlich will ich das gar nicht, denn verrät man sich und seine Idee nicht selbst, wenn man sich nur deshalb einen neuen Namen gibt, um weiter Dinge zum Testen zu bekommen?
Für mich steht fest – mein Name und auch die Idee hinter diesen Blog bleiben. Hier werdet ihr auch weiterhin Dinge über Produkte lesen, die eben in den regenbogenpupsigen Familienblogs nicht zu finden sind, die man aber vor einem Kauf normalerweise schon wissen möchte. Und bis ich es endlich schaffe, wieder halbwegs regelmäßig zu bloggen, erzähl ich euch ein bisschen was aus den letzten zwei Jahren.

Reales statt virtuelles Leben

Irgendwie ist das Leben als Blogger schon cool. Man sieht und liest immer das Neuste an Produkten und bekommt viele Infos früher als der Rest der Welt. Doch man lebt in einer Art Scheinwelt. Echte Freundschaften gibt es ganz selten, in der Regel “kennt” man sich von Facebook oder Bloggerevents. Und das dort natürlich alles Friede-Freude-Eierkuchen ist, ist logisch. Oder? ;)
In meiner Elternzeit, als ich sowieso mit zwei Kindern zu Hause saß, war das perfekt und für mich ein Tor in die Außenwelt. Seit 2 Jahren merke ich jedoch, wie sehr mir eigentlich das reale, das echte, Leben gefehlt hat. Man braucht einfach richtige Freunde und auch Bekannte und Arbeitskollegen, bei denen man auch mal genervt sein darf oder mit denen man sich zusammen freuen kann. Und es ist so viel schöner, wenn sich nicht ständig alles ums Internet dreht!

22 Stunden geregelte Arbeit vs. durchgehend online

Selbständigkeit kann man in zwei Worte aufteilen: “selbst” und “Ständig”. Das trifft es wohl am besten, wenn man Blogger beschreibt, denn irgendwann ist man im Dauerstress. Ich gehe inzwischen rund 22 Stunden pro Woche arbeiten und dann ist da für mich aber auch Feierabend. Großartig! Erst jetzt weiß ich, wie sehr ich das vermisst habe. Es ist ein ganz anderes Gefühl, auch wenn es manchmal natürlich anstrengend ist. Aber allein das “Rauskommen” und mal was ganz anderes tun, das noch dazu großen Spaß macht, entschädigt für alles.

Eigentlich fing ich damals mit nur 12 Wochenstunden und der Option auf “irgendwann mal mehr” in meinem alten Job an. Damals ahnte ich nicht, dass ich nur 3 Monate später schon bei 22 Stunden sein würde. Damit entfiel dann leider auch mein einer Tag in der Woche, den ich mir zum Bloggen aufgespart hatte. An meinem freien Tag warten dagegen so tolle Sachen wie Wäsche waschen oder Bügeln auf mich. Ganz normale Dinge eben, bei denen das Bloggen dann manchmal hintenan stehen muss.

Hausaufgaben vs. gestelztes Familienglück

Hausaufgaben waren und sind hier tatsächlich ein riesiges Thema, dass erst jetzt, in der 3. Klasse, ein wenig besser läuft. Bisher war unser Großer leider immer der Meinung, dass für ihn keine Hausaufgaben existieren, wenn er sie nicht im Aufgabenheft stehen hat. Bei einem Hausaufgabenpensum von täglich mind 30min. für zügig arbeitende Schüler fällt da sehr schnell sehr viel an. Glaubt mir, ich kann ein Lied davon singen!
Und so bespaßte ich fast die komplette 2. Klasse den 4jährigen, damit er leise war, während ich gleichzeitig neben dem großen Bruder saß, um ihm zu helfen oder ihn daran zu erinnern, weiter seine Hausaufgaben zu machen. Wie gern hätte ich auch mal ein heiles Familienwelt-Bild gehabt, an dem alle einträchtig ein Spiel spielen! Aber das holen wir seit einigen Wochen nach!

Krankheiten vs. Bloggerevents

Heute ist tatsächlich der erste Tag seit mehreren Monaten, an dem ich wieder mal einen freien Tag ganz für mich allein habe. Immer war eins der Kinder krank, hatte schul- oder kindergartenfrei oder es standen Arzttermine an. Ich frage mich dann immer, wie andere das machen, die teilweise 1-2 Mal im Monat zu Bloggerevents fahren? Ich habe da irgendwie gar keine Zeit mehr für. Das eine letztes Wochenende, für das ich mir extra ganz lange alles freigehalten hatte, musste ich dann tatsächlich wegen div. Krankheitsfälle und Stress absagen …

Überhaupt sind Krankheiten hier schon seit einiger Zeit ein leidiges, aber nicht abzuschüttelndes Thema. Der Große hört schon seit einiger Zeit schlecht und befindet sich in umfangreicher Diagnostik und mein Vater hatte vor einem halben Jahr einen Schlaganfall mit einer Art Rückfall vor einigen Wochen. Das meine Eltern rund 500km entfernt wohnen, vereinfacht die Sache dabei nicht gerade.

Alltägliche Katastrophen vs. heile Regenbogenwelt

Kennt ihr Celeste Barber und ihren Instagram-Account? Großartig, denn sie zeigt die Posen der Promis, wie sie bei jedem von uns aussehen würden. So in der Art fühle ich mich inzwischen fast täglich, wenn ich mir unseren Alltag anschaue. Statt säuberlich aufgereihter und gut geputzter Gummistiefel im Flur stehen sie hier dreckverkrustet vor der Tür. Die dazugehörigen Arbeitshosen für den nächsten Bauernhof-Katzen-Besuch gleich daneben.
Statt Traum-Badezimmer gibt es bei uns aktuell nur ein Gästebad, weil ich unseres seit 3 Wochen endlich fertig verfugen muss. Wer ahnt auch, dass das große Kind plötzlich einen hoch-fieberhaften Infekt bekommt oder dem Mann auf seinem Motorrad jemand die Vorfahrt nimmt und plötzlich ganz andere Dinge viel wichtiger sind? Er hatte zwar riesiges Glück, aber trotzdem bleibt eine Haufen Papierkram und eben ein fehlender Zweitwagen. Am Stadtrand macht es das nicht gerade einfach.
Und statt heiler Familienwelt haben die Großeltern unseren Jungs gesagt, dass sie gar nicht erst wiederkommen brauchen, wenn wir uns Katzen holen. Nicht, weil sie eine Allergie hätten, sondern weil sie die Idee einfach doof finden. Aber wie erklärt man das zwei 5- und 8jährigen Kindern, die sich (genauso wie wir) schon so sehr auf den Moment freuen?

Familienleben ist toll – auch ohne Internet

Es gibt viele Situationen, in denen ich mich sogar ein wenig ärgere, gerade mein Handy nicht dabei zu haben und so nun kein Foto für Instagram oder Facebook machen zu können. Dabei muss ich das gar nicht! Die Zeit mit meiner Familie ist so viel besser, wenn man nicht ständig alle für ein Foto gruppiert oder beobachtet. Meine Beiden wollen dann zum Beispiel immer wissen, wie das vermeintliche Foto aussieht, was ich gerade geschossen habe. Dabei konnte ich gar nicht, weil ich noch auf den passenden Moment gewartet hatte. Eins ergibt das andere, die Situation ist hin und schon schauen alle nur wieder auf’s Handy. Nö! Will ich nicht mehr. Wenn es gerade passt, dann ja. Ansonsten genieße ich die wenige Freizeit, die Schulkinder heutzutage haben und spiele lieber mit ihnen oder fahre mit ihnen zum Bauernhof ein paar Dörfer weiter.
Außerdem ziehen hier bald zwei kleinen Katzenbabys ein – da gibt es dann garantiert genug Fotomaterial. ;)

Die Großeltern dagegen werden sich hoffentlich irgendwann wieder beruhigen und dann doch Sehnsucht nach ihren Enkeln bekommen. Und ich? Irgendwann werde ich ganz sicher wieder regelmäßig und viel mehr bloggen können. Bis dahin versuche ich, wenigstens ein Mal in 1-2 Wochen ein Posting online zu bekommen. Und sei es von unserem riesigen Bücherstapel, denn das lieben der Große und ich gleichermaßen zur Entspannung: Lesen!

 


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9 Kommentare

  1. Natalia

    Geht es deinem Mann gut? Hatte er einen Unfall oder ist er gerade noch so davongekommen? Es ist hoffentlich nicht so schlimm!

    Bei Instagram bin ich ganz bei dir. Ich habe viele Accounts entfolgt die gar nichts mehr mit dem wahren Leben zu tun haben. Ich möchte zwar auch schöne Bilder sehen aber viele sind nur noch unecht!

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    1. Sandra (Beitrag Autor)

      Danke deiner Nachfrage! Ja, es war tatsächlich ein “richtiger” Unfall. Ihm geht es glücklicherweise gut, er hat bzw. hatte nur reichlich Prellungen.

      Das mit dem Entfolgen kenne ich, habe ich auch. :D Wobei ich sie gar nicht unbedingt unecht finde, nur einfach immer viiiiiel zu positiv. Da scheint es nie auch nur einen schlechten Tag zu geben. Unrealistisch trifft es meiner Meinung nach vielleicht eher.

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  2. Romy Matthias

    Ich kann dir da bei allem zustimmen, ich gehe 20 Stunden die Woche arbeiten und die Zwillis jetzt in die 5. Klasse. Es ist nicht immer alles heile Welt und oft dreht man sich im Hamsterrad. Mein Blog ist da abends wirklich reine Entspannung obwohl ich mich dann auch immer wieder frage, wie schaffen die anderen das??? Aber meine Erklärung ist dann “Ist wohl alles mehr Schein als Sein”…..LG Romy

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  3. Susan

    ja Sandra…bei mir auch. Mit der Zeit glaube ich alles ist schwer. Aber manchmal kann ich Internet durchschauen und aufatmen. Gut ist dass mein größte schön ist dieses Jahr Fertig mit der Schule und alles wird einfacher. Mein Blog hilft mir alles einfach zu “overcome”. Grüße, Ihr Susan

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  4. René S.

    Ich kann dich gut verstehen!
    Alles unter einen Hut zu bekommen ist alles andere als einfach.

    Ich gehe 40Std./Woche arbeiten.
    Und täglich kommen noch einmal mind. 2h für das Bloggen oben drauf – Jeden Tag.
    An freien Tagen sind es auch mal gerne 10Std.

    Ist schon ein ordentliches Pensum und es soll natürlich kein Dauerzustand bleiben.

    Nach und nach soll das Bloggen die Oberhand übernehmen.

    “Wenn du durch die Hölle gehst, geh weiter – W. Churchill”

    Dir viel Erfolg weiterhin.
    Mach so weiter & setze Prioritäten :-)
    René

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  5. Dirk

    Fake kann doch jeder. Last dich nur nicht von deinem eigenen Weg abringen und bleibe natürlich. Die ganzen Seiten mit den ganzen unehrlichen Berichten verlieren ihrer Fans meist ganz schnell wieder.

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  6. Alexander Say

    Ich finde auch, dass das die Freundschaften in den sozialen Netzwerken, eigentlich auch die im Reallife sein sollten. Klar gibt es immer wieder einmal den oder diejenige welche interessant ist oder welches Bekanntschaften von Reisen waren, was auch ganz schön ist. Aber ich schreibe doch am liebsten mit denjenigen welche ich auch treffen kann und vor allem möchte. :) Vom Zeitaufwand muss ich mich euch anschließen. Es ist schon irgendwie krass wie viel Zeit für das Bloggen investiert werden. Mit schnell mal einen Artikel schreiben, ist meistens nicht viel und 2 Stunden sind weg wie nichts.

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  7. Stefan

    Auch ich kann mich in vielen deiner beschriebenen Gefühlslagen wiederfinden. Nach gut 2 Jahre location independent work sehne ich mich so langsam tatächlich auch wieder etwas mehr vor allem nach einem geregelten sozialen Umfeld. So sehr ich das alles genieße, so ist für mich ein ganzer Tag vorm Laptop dauerhaft einfach auch nicht die Erfüllung. Deshalb freue ich mich, wenn da dann bald auch wieder eine Ergänzung da ist, wo man einfach wieder mehr unter die Leute kommt. LG Stefan

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  8. Andree

    Alles im Leben hat seinen Preis. Dessen sollte man sich bei jedem Wunsch und bei jeder Entscheidung immer bewusst sein. ;-)

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