[Rezension] “Online wartet der Tod” – Alafair Burke

Hier geht es wieder zu allen Infos über das Buch selbst.

Detective Ellie Hatcher arbeitet bei der New York Police und kümmert sich dort um Betrug und Raubüberfälle. Obwohl sie gerade mal seit einem Monat als Detective arbeitet, wird sie vom Morddezernat angefordert. Ellie schreibt das jedoch nicht ihrer schnellen Karriere zu, sondern eher der Tatsache, dass für einen aktuellen Mord bestimmt ein Lockvogel gebraucht wird. Sie. Und so meldet sie sich bei Flann McIlroy zum Dienst und ist positiv überrascht als sie erfährt, dass sie doch kein Lockvogel sein soll. Im Gegenteil, den Flann behandelt sie ganz normal als Partnerin in seinen Ermittlungen.
Gesucht wird ein Frauenmörder, der New York unsicher macht. Amy Davis ist das aktuelle und eigentlich auch einzige Opfer. Doch genau 1 Jahr vor dem Mord an Amy wurde eine weitere Frau ermordet – Caroline Hunter. Beide Frauen hatten eins gemeinsam: sie waren beide bei der Online-Partnervermittlung FirstDate angemeldet. Doch Caroline wurde erschossen, Amy erwürgt. Wäre da nicht der spezielle zeitliche Abstand und auch der Zettel mit ausgedruckten FirstDate-Nachrichten in Amy’s Mantel, würde wohl keiner einen Zusammenhang zwischen beiden Morden sehen. Und wie passt Tatiana  Chekova ins Bild? Eine Frau, die mit der gleichen Waffe wie Caroline erschossen wurde?
Ellie meldet sich selbst bei FirstDate an, um die Ermittlungen voranzutreiben. Oder ist vielleicht auch ein klein bisschen privates Interesse dabei? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn keiner weiß, ob nicht bald ein neuer Mord geschieht.

Buchcover Vorderseite

“Krimis sind irgendwie alle gleich. Immer das gleiche Klischee, immer der gleiche Aufbau.” – Ein Grund, warum ich nur noch sehr selten Krimis lese. Oft ist es wirklich so. Die Ermittler sind immer wieder Männer, es gibt einen Erzählstrang und es werden diverse Klischees bedient. Hier nicht. Und genau das macht “Online wartet der Tod” so erfrischend anders und absolut lesenswert.
Hier laufen verschiedene Stränge nebeneinander ab. Es beginnt mit einem kurzen Kapitel aus Sicht des Mörders und der Ermordung von Amy. Danach lernt man Ellie und ihren Job besser kennen, erfährt dabei aber auch sehr viel über ihre Vergangenheit. Vor 15 Jahren beging ihr Vater Selbstmord, doch Ellie behauptet stur, dass er ermordet wurde. Die Vergangenheit prägte sie – so sehr, dass sie das Jurastudium aufgab und statt dessen lieber Polizistin wurde. Eine Polizistin, die schon wegen ihrer Vergangenheit alle Ermittlungen sehr genau nimmt.

Einen Zugang zum Buch zu finden, fällt überhaupt nicht schwer. Im Gegenteil, denn ich hatte schon nach wenigen gelesenen Seiten Mühe, das Buch überhaupt wieder aus der Hand zu legen. Alafair Burke versteht es perfekt, den Leser zu fesseln. Nicht nur die Schreibweise ist leicht verständlich und der Aufbau des Buches genial, sondern auch das Thema ist sehr aktuell. Die meisten von uns sind heutzutage ständig im Internet unterwegs und viele machen sich einfach gar keine Gedanken zum Thema Anonymität oder Sicherheit. Kaum einer mag sich vorstellen, dass plötzlich jemand vor der eigenen Haustür steht, nur weil er eine Adresse oder sonstige andere Daten aus dem Internet hat. Doch Amy war vorsichtig. Sie gab nie etwas über ihre Wohnung preis. Auch ihre Telefonnummer nicht. Und doch wurde sie vor der eigenen Haustür ermordet. Zufall? Eher nicht. Und genau das macht die Geschichte auch so bedrückend. Niemand weiß, wie sicher seine eigenen Daten sind. Die Adresse, vielleicht die Kreditkartennummer nicht schon längst anderen Leuten bekannt sind. Und auch wenn man es tief in sich vielleicht ahnt, nur nicht wahrhaben will – “Online wartet der Tod” stößt den Leser genau auf diesen Punkt und bringt zum Nachdenken.

Die Inhaltsangabe auf der Buchrückseite macht den Eindruck eines eher langweilig gestrickten Buches, dass wieder mal voll das Klischee erfüllt. Mann ermittelt, Frau spielt Lockvogel. Um so überraschter war ich, dass sich dahinter eine sehr komplexe Geschichte mit ganz vielen Wendungen und Nebengeschehnissen verbirgt. Es ist eben nicht der langweilige 08/15-Plott, der einen hier erwartet. Zusätzlichen Nervenkitzel bekommt man gerade am Anfang durch eine 3. Sichtweise, deren Hintergrund länger verborgen bleibt.
Wer gern schon während des Lesens miträt, wer denn nun der Mörder ist, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Bis zum Ende hin belässt Alafair Burke ihre Leser völlig im Unklaren über das Motiv und natürlich den Mörder. Auch ich musste meine Theorien mehrfach verwerfen, fand es aber überhaupt nicht schlimm. Im Gegenteil.

Eine packende Geschichte, sympathische Darsteller und vor allem nicht zu viele verschiedene davon in einem Buch. Ein aktuelles Thema das zum Nachdenken anregt, auch wenn man das Buch schon ausgelesen hat – was will man mehr, außer vielleicht einem weiteren Buch von Burke?

Von mir gibt es 5/5 Sternen und eine absolute Leseempfehlung.

Außerdem gibt es noch einen Hinweis auf das 2. Buch der Reihe, dass am 1.7.2012 erscheint: “Manhattan 212” ist der neuste Fall von Ellie Hatcher und wird hoffentlich genauso gut, wie dieser hier.

2 Kommentare

  1. Judi

    Ich mag Deinen Blog. Wir haben den gleichen Buchgeschmack und Du schreibst immer schön ausführlich.
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