[Rezension] “Die Flüsse von London” – Ben Aaronovitch

London in der heutigen Zeit: Peter Grant war ein eher durchschnittlicher Schüler, ist nun ganz frisch ein eher durchschnittlicher Police Constable. Seine Kollegin Lesley dagegen sieht nicht nur gut aus, sondern hat auch noch mehr auf dem Kasten als er. Und so kommt es, dass Lesley im Karrieregespräch nach der Ausbildung eine Laufbahn in der Mordkommission angeboten wird, Peter dagegen soll einen Schreibtischjob annehmen. Nicht das, was er eigentlich wollte. Doch alles kommt anders.  …
Einige Tage vor dem Gespräch fand ein grausiger Mord statt, bei dem Peter und Lesley vor Ort Wache schoben. Während Lesley sich Kaffee holte, lernte Peter einen Zeugen des Mordes kennen: Nicholas Wallpenny – einen Mann, der schon viele Jahrzehnte tot ist! Als Peter einige Zeit später allein auf Geisterjagd geht, um Wallpenny erneut zu befragen, trifft er auf Inspektor Nightingale, der ihm promt für seine “Einheit” anfordert. Fortan arbeiten die beiden zusammen und kümmern sich um Geister und alle möglichen anderen Geschöpfe, die in London leben oder ihr Unwesen treiben.
Peter beginnt, die Grundlagen des Zauberns zu lernen und er trifft magische Geschöpfe, wie  zum Beispiel Mama und Vater Themse und deren ganze Kinder.

Alles könnte recht entspannt sein, wäre da nicht der erste Mord noch vor seinem Treffen mit Nightingale. Immer wieder geschehen Morde mit ähnlichem Hintergrund, auch wenn sie offensichtlich nichts miteinander zu tun haben. Noch dazu scheint der Mörder der Polizei immer eine Länge voraus zu sein.

Die Flüsse von London - Cover

Was sich eigentlich in der Zusammenfassung total wirr und verdreht anhört, ist in Wirklichkeit ein sehr gut gelungenes Buch. Es spielt komplett in der heutigen Zeit und handelt vom jungen Polizisten Peter Grant. Von Inspektor Nightingale angefordert, bildet er ab sofort den 2. Mann einer eher ungeliebten Einheit der englischen Polizei – er beschäftigt sich mit allem Übersinnlichen und Übernatürlichen. Und er wird Zauberlehrling. Klingt ein bisschen nach Akte X, geht aber eher in Richtung Harry Potter. Doch auch in diese Schublade kann man die Flüsse von London nicht stecken. Das Buch ist sehr viel erwachsener, was man nicht nur an den Geschehnissen, sondern auch an den Zaubersprüchen merkt. So war Isaac Newton der Gründer der “Gesellschaft” und der erste, der die magischen Praktiken wirklich systematisch erfasst hat. Einen Zauberstab braucht man nicht, um mit Magie umzugehen – nur die Kraft seiner Gedanken. Auch wenn dabei schon so manches Handy oder elektrische Gerät kaputt geht, weil es der Magie nicht standhalten kann. Aber auch das macht die Geschichte wieder glaubwürdig, denn Handys gehören nun mal in die heutige Zeit. Wie dagegen hätte es sich angehört, wenn in Harry Potter das Innenleben eines Handys zu Staub zerfallen wäre?

Doch man sollte nicht erwarten, dass sich alles nur um Magie dreht. Es ist auch ein Krimi und ein Fantasy-Roman zugleich – eine perfekte Mischung, die mit sehr viel trockenem Humor gewürzt wurde. Während Peter am Anfang noch relativ verträumt und auch naiv ist, gewinnt er mit jeder Seite des Buches mehr und mehr an Wissen, aber auch an Selbstbewusstsein. Das liegt zum großen Teil sicher auch an Nightingale, der Peter allein mit den Flußgottheiten der Themse verhandeln und auch einen Teil der Ermittlungen in der Mordserie allein führen lässt.

Alles in allem ist “Die Flüsse von London” ein Buch, das ich gar nicht wieder aus der Hand legen konnte, weil es so viel Spaß macht. Ben Aaronovitch schafft es mit seinem flüssigen Schreibstil problemlos, seine Leser zu fesseln. Und so ganz nebenbei erfährt man noch etwas über die Geschichte von London, seine Flüsse und Nebenflüsse und auch das Theater. Das ganze jedoch nie aufdringlich, sondern immer so perfekt in die Geschichte eingeflochten, dass es gar nicht so richtig auffällt.

Die Charaktäre im Buch sind allesamt manchmal etwas überzeichnet, aber trotzdem sehr authentisch umgesetzt. Die ewig erfolgreiche und kluge Lesley, der gerade am Anfang eher tollpatschige Peter, der geheimnisvolle Nightingale, der bullige und ewig schlecht gelaunte Chief Inspector Seawoll, …. Und doch hat jeder seine guten Seiten, aber auch seine Macken.

Ein gutes Buch macht für mich aus, dass ich Spaß beim Lesen habe. Ich muss mich in der Geschichte wiederfinden und sie muss – egal wie abgedreht sie ist – auch ein Stück weit glaubwürdig sein. Von einer gewissen Spannung und Handlung mal ganz abgesehen. Aber all das bietet Ben Aaronovitch dem Leser.
Ein Buch, dass vom dtv ganz zu Recht als “Tipp des Monats” ausgezeichnet wurde. Ich liebe es und kann es kaum erwarten, dass es endlich Juli wird. Dann kommt Teil 2 in die Läden – “Schwarzer Mond über Soho”.

Von mir gibt es 5/5 Sternen!


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