[Rezension] “Der Galgen von Tyburn” – Ben Aaronovitch

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Dies ist der 6. Teil der “Flüsse von London-Reihe” rund um Peter Grant. Um alle Hintergründe zu verstehen, sollte man Band 1-5 auf jeden Fall gelesen haben. 

Besser nie eine Flussgöttin zu verärgern war eines der ersten Dinge, die Peter in seiner Ausbildung lernte.  Nach einem Anruf von Lady Ty wird jedoch genau das zu einem Problem, denn er schuldet ihr noch einen Gefallen, den sie nun einfordert. Doch wie soll er ihre Tochter aus einem vermeintlichen Mordfall heraushalten? Dass sie sich zusätzlich bei einer Befragung noch schwer belastet, erleichtert Peter seine Arbeit dabei nicht gerade. Doch Peter wäre nicht er selbst, wenn er nicht trotz der “Bitte” von Lady Ty in jede Richtung ermitteln würde. Und so wächst sich die kleine Party mit Todesfolge zu einem recht großen und zunächst undurchschaubarem Fall aus, an dem auch der Gesichtslose und Lesley einen nicht ganz kleinen Anteil haben.

Diesmal geht es nicht nur quer durch London, sondern auch durch die halbe magische Welt von London. Es gibt ein Wiedersehen mit Mr. Punch, dem stillen Volk, Kim Reynolds und einigen anderen Figuren aus früheren Bänden. Gleichzeitig führt Ben Aaronovitch unter anderem mit Lady Helena und deren Tochter Caroline auch eine völlig neue, weitere magische Richtung ein. Insgesamt ergibt es ein wildes Gewusel an Figuren, die zum großen Teil alle nur das gleiche Ziel haben: ein altes Buch zuerst in die Finger zu bekommen.

"Der Galgen von Tyburn" - Cover

Yeah – Peter is back! Endlich! Nachdem ich mit dem Vorgängerband nicht so richtig glücklich war, fieberte ich hier wieder durchgehend mit. Es ist spannend, es ist größtenteils überraschend und es ist witzig. Einziger Haken: Die unheimlich große Fülle von Figuren. Man hat ein wenig das Gefühl, dass der Autor mit Hilfe früher aufgetauchter Charaktäre zu alter Form zurückfinden wollte (was ihm durchaus auch geglückt ist). Sehr zu meiner Schande muss ich jedoch gestehen, dass ich einige der Figuren völlig verdrängt hatte. Mr. Punch zum Beispiel. Und so stand ich beim Lesen auch erst einmal auf dem Schlauch und wusste rein gar nichts mit Peter’s Anspielungen auf die Vergangenheit anzufangen. Auch ist die Menge der in den aktuellen Fall verwickelten Personen ziemlich groß, so dass der Lesespaß dadurch ein wenig litt. Obwohl es sich superflüssig liest und ich das Buch im ersten Durchgang regelrecht verschlungen habe, muss man schon genau aufpassen, bei den vielen Namen nicht den Faden zu verlieren.

Schaut man zurück auf die Anfänge der “Flüsse von London”-Reihe, hat Peter sich stark weiterentwickelt. Er bringt sich zwar immer noch in die unmöglichsten Situationen, aber er ist reifer geworden und man könnte ihn durchaus als erfahrenen Zauberer bezeichnen. Natürlich ist er noch weit von Nightingale’s Können entfernt, doch auch mit ihm sollte man sich nicht anlegen.
Im Laufe der Bände ist die anfänglich so zauberhafte und erstaunliche Magie eher einer nüchternen Realität gewichen. Freute man sich zu Beginn mit Peter, dass er einen Lichtball zu Stande brachte, wird der Name der Zauberformel heute wie selbstverständlich erwähnt. Ich finde das allerdings gar nicht schlimm, denn es ist der normale Lauf der Dinge. Peter’s Zauberkünste werden besser und auch wir Leser entwickeln uns mit jedem neuen Band weiter. Das Nachsehen haben hier allerdings Quereinsteiger, denn ohne die vorangegangenen Bände dürfte man aktuell gar nichts mehr verstehen. Doch auch für Kenner ist es aufgrund der recht komplexen Zusammenhänge nicht einfach, nach einem Jahr Pause den nächsten Band zu lesen. Vieles aus dem “Galgen von Tyburn” verstand ich erst, nachdem ich die fünf Vorgängerbänden quergelesen hatte und es direkt noch einmal las.

Auch wenn der Galgen von Tyburn im Buch eigentlich kaum vorkommt, so ist Aaronovitch doch wieder eine großartige Fortsetzung um Peter Grant gelungen. Es ist kein herkömmlicher Krimi, aber auch kein kitschiger Zauberroman, sondern Urban Fantasy von Feinsten. Es gibt reichlich zu lachen, ganz viel Spannung und eine sehr gute Weiterentwicklung der Geschichte um Peter, Lesley und den Gesichtslosen. Bleibt nur zu hoffen, dass Ben Aaronovitch es schafft, dieses Hoch mit in den nächsten Band zu übernehmen und den Plot glaubwürdig weiterzuentwickeln oder irgendwann auch zu einem Abschluss zu bringen. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr darauf!

Buchinfo

  • “Der Galgen von Tyburn” – “Die-Flüsse-von-London-Reihe”
  • Ben Aaronovitch
  • dtv
  • Taschenbuch
  • 416 Seiten
  • ISBN: 3423216689
  • Erscheinungsdatum: 5. Mai 2017
  • 10,95€

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Wertung: 0.0/5 (0 Bewertungen abgegeben)

2 Kommentare

  1. Cay Ink

    Ich habe die Bücher geradezu verschlungen. Endlich mal brauchte ich mir kein Taschenbuch zu holen, sondern konnte das Buch auf meinem Kindle lesen, was schon mal ein riesen vorteil war. So stört sich meine Freundin abends weniger wenn ich wach liege ;)

    Ich kann es nur wärmstens empfehlen. Was mir nicht ganz so schön gefallen hat war der flache Spannungsbogen, aber es muss ja nicht jedes mal den totalen Spannungsklimax geben. Von daher eine sehr angenehme Abwechslung!

    Ich mag einfach Fantasiebücher und je mehr Magie, umso besser und genau das wurde ja geliefert!

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    1. Leandra

      Danke für die Empfehlung…. bin gerade beim googlen per Zufall auf diesen Beitrag gestoßen.

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