Brauchen Blogger eine Versicherung?

Ein Thema, das mich nun schon eine ganze Weile beschäftigt. Fragt man seinen Versicherungsvertreter, wird man wahrscheinlich nur eine Antwort bekommen: JA! Schließlich will er oder sie ja auch etwas verkaufen. Und genau das ist auch ein Punkt, der mich an Versicherungen so stört. Wir haben vor einiger Zeit die Versicherung gewechselt und sind weg von einer großen und renommierten Versicherung. Jetzt sind wir wieder bei einer “kleinen” mit besseren Preisen und wesentlich besserer Kundenbindung. Zum Geburtstag gab es nachträglich sogar eine Flasche Wein zum Hausbesuch geschenkt. So muss das doch sein, oder? ;)

Aber zurück zum Thema Bloggerversicherungen. Fragt sich natürlich, was man versichern will. Das wohl größte Risiko im Internet liegt in der Form von Abmahnungen. Jeder, der schon mal eine bekommen hat, weiß wie schnell das gehen kann. Sei es wegen mangelhaftem Impressum, verwendetem Bildmaterial oder sonstigen Dingen. Es soll sogar Menschen geben, die nur auf der Suche nach Verstößen sind, um diese kostenpflichtig abzumahnen. Auch wenn es vielleicht nicht die nette Tour ist – oftmals sind sie leider im Recht.
Die Rechtsanwälte Schwenke & Dramburg aus Berlin schreiben schon eine ganze Weile einen Blog und befassten sich vor einiger Zeit mit genau diesem Thema: Kann man sich gegen Abmahnungen im Social Media-Bereich versichern? (klick für den Original-Artikel). In einem Interview mit Ralph Günther von exali.de kam die Frage auf den Tisch, wie man sich denn nun gegen Abmahnungen versichern kann.
In früheren Gesprächen mit meiner Versicherung war die Überlegung, ob in solchen Fällen eine Berufshaftpflicht oder Rechtsschutzversicherung ausreichend ist und greifen würde. Laut Herrn Günther ist sie das jedoch nicht. Sie tritt zwar für die Anwaltskosten ein, zahlt aber nichts mehr, sobald es um Abmahnungen bei (Urheberrechts)Verletzungen geht.
Demnach wäre die einzige Möglichkeit eine Vermögensschadenshaftpflicht oder auch Berufshaftpflicht für Medienschaffende bzw. Media-Haftpflicht. Klingt sehr speziell und genau deshalb bieten diese Möglichkeit auch nur wenige Anbieter an. Dafür bekommt man jedoch das “volle Paket”. Man gibt eine Abmahnung einfach an seine Versicherung weiter, die entsprechenden Anwälte prüfen diese und unternehmen alle weiteren Schritte. Sollte die Abmahnung gerechtfertigt sein, übernimmt die Versicherung die Zahlung von Schadensersatz. Wenn nicht, geht die Versicherung auch gegen die Abmahnung vor.
Klingt in meinen Augen perfekt. Leider ist diese Leistung auch nicht ganz billig – für einen einzelnen Blogger würden nach Liste von Schwenke&Dramburg bzw. Herrn Günther mindestens 340 Euro anfallen – nach oben hin sind die Grenzen relativ offen. Ob sich das lohnt oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Ich habe den Artikel einfach mal an die (neue) Versicherung meines Vertrauens weitergeleitet. Dort fand man den Artikel sehr spannend und vor allem ist nun auch klar, wie man die immer mehr werdenden Blogger versichern könnte.

Doch Blogger sind auch Privatpersonen und brauchen von daher auch die ganz normalen Versicherungen, wie Haftpflicht, Kfz, Wohngebäude usw. Oft ist es schwierig, einen guten Anbieter zu finden, der einem nicht nur die teuerste Versicherung verkaufen will. Hier bietet sich für einen guten Überblick das Versichertenforum.com an. Mit vielen verschiedenen Unterforen zu den einzelnen Versicherungen findet man für seine Frage bestimmt eine passende Antwort. Seien es Vergleiche unter den verschiedenen Versicherungen, Leistungen oder auch Fragen zu bestimmten speziellen Versicherungen (wie zum Beispiel einer Pferdeversicherung). Eine Vermögensschadenhaftpflicht habe ich im Forum zwar noch nicht gefunden, aber vielleicht kommt das ja noch.
Schaut doch mal rein und wappnet euch so für das nächste “Verkaufsgespräch” mit eurem Versicherungsvertreter! ;)


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7 Kommentare

  1. Janett

    Ein Interessanter Bericht. Wichtig ist auch das Thema, wenn man Gewinnspiele veranstaltet. Man ist als Blogger halt immer auf einer Gratwanderung zwischen “Was darf ich und was nicht”. Grad das Impressum ist immer eine gefährliche Geschichte. Zumindest hier sollte man Geld in die Hand nehmen und das prüfen lassen…

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  2. Sebastian

    Bei Abmahnungen muss man unterscheiden: Massenabmahner bekommen von mir eine mindestens zweiseitige detaillierte Antwort, natürlich mit Zurückweisung und ohne etwas einzugestehen. Die meisten der Art machen selbst soviele Fehler, dass sich über Google leicht viel finden lässt und spätestens wenn ein langes Schreiben mit vielen Paragraphen und Urteilen ankommt, wird der Aufwand zur Bearbeitung zu groß und man hört meist nie wieder etwas von ihnen.

    Berechtigte Einzelabmehnungen sind selten und kommen meist bei Copyrightverletzungen vor (beispielsweise bei geklauten Bildern). Hier ist das Hauptinteresse die Beendigung des abgemahnten Tatbestandes und wenn keine böse Absicht vorlag, kann man häufig mit der Gegenseite reden und den Vorfall klären.

    Das mit Abstand dümmste ist es, eine Abmahnung zu ignorieren, denn dann kann eine einstweilige Verfügung drohen.

    Allerdings habe ich bisher für den Blog noch keine einzige Abmahnung bekommen.

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    1. Thomas Eckert

      @ Sebastian

      Vollkommen richtig! Es ist absolut wichtig auf eine Abmahnung zu reagieren und nicht die Zeit verstreißen zu lassen. Doch in den meisten Fällen sind die Kanzleien sehr gut vorbereitet und die Urheberrechtsverletzungen haben Hand und Fuß!

      Für meinen Blog und Webseite habe ich auch noch keine Abmahnung kassiert. Dafür ist es unbedingt wichtig die Lizenzen der Verträge bestmöglich abzuspeichern oder abzulegen!!!

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  3. Henning Uhle

    Ich gebe Sebastian Recht: Das dümmste ist, das Ganze zu ignorieren.

    Bei mir ging (oder geht (?)) es um eine unrechtmäßige Bildverwendung. Ich will mich da nicht lang und breit wiederholen. Steht alles in meinem Blog: http://www.henning-uhle.eu/series/ksp-gegen-henning-uhle-eu

    Jedenfalls ist es so, dass ich meine Versicherung gefragt habe, was die zur Versicherung einer Webseite meinen. Die hatten nur Schulterzucken für mich übrig und meinten, über den Privatrechtsschutz würde das wohl gehen.

    Ich verlass mich nicht unbedingt darauf. Vielleicht sollte ich denen auch mal das Interview unter die Nase halten. ^^ Da ich mal lieber auf der sicheren Seite sein will, wenn tatsächlich noch was von den Abmahnern kommen sollte, und weil ich der Meinung bin, man sollte sich als Blogger mit anderen organisieren, wollte ich sowas wie Crowdfunding anregen. Eine Art “Bloggerfonds für Rechtsstreitigkeiten”, von dem derjenige was hat, der was eingezahlt hat. So könnte man vielleicht selbst etwas gegen diesen Unsinn unternehmen, der da abläuft.

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  4. Sandra (Beitrag Autor)

    Leider ist es immer wieder so, dass viele die Gefahr der Abmahnungen verkennen. Gerade bei Bildern sehe ich es immer wieder in vielen neuen Blogs. Und nicht alle Firmen sind da kulant.

    Ich schwanke immer noch ein bisschen bei der Medien-Versicherung, denn sie ist halt richtig teuer. Auf der anderen Seite würde eine “echte Abmahnung” noch sehr viel teurer. Nicht, dass ich es drauf anlegen würde. Ich bekomme gerne Post, aber auf solche kann ich gern verzichten. ;)

    Die meisten Versicherer haben aber wirklich keine oder kaum Ahnung von der Materie – musste ich bei meiner auch feststellen. Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass auch ne ganze Menge Leute irgend eine Versicherung haben, die dann aber im Ernstfall gar nicht greift.

    Die Idee mit dem Bloggerfonds habe ich so schon öfter gehört – auch als Rechtsschutzversicherung von Bloggern für Blogger. Nur bezweifle ich, dass es den gleichen seriösen Charakter einer unabhängigen Agentur/Versicherung bekommen kann und wird. Und das ist meiner Meinung nach das wichtigste, um überhaupt zahlende Blogger/Kunden zu finden.

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  5. Simon Gerstling

    Abmahnungen für Bilder häufen sich wirklich in letzter Zeit. Besonders die undurchsichtigen AGB der Stockfoto-Anbieter haben jetzt vielen findigen Anwälten neue Perspektiven eröffnet.

    Es gibt aber noch weitere Entwicklungen: Webmaster, die bestimtme Projekte durch Suchmaschienenoptimierung bei Google nach oben pushen. Je nach dem, welche Techniken sie dabei gewählt haben, kann es schnell passieren, dass Google diese Seiten abstraft und aus dem Index kickt. Für solche Leute empfiehlt es sich für die Zukunft einer Berufs-Haftpflichtversicherung abzuschließen.

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  6. Isy

    Erstmal danke für den schönen Bericht. Ich betreibe selber einen Blog und hatte bisher das Glück, dass ich keine Abmahnung erhalten habe. Ich bin per Zufall auf deinen Artikel gestossen und sollte mir vielleicht mal Gedanken darüber machen.

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